Kehlkopfpfeifen
Beim Kehlkopfpfeifen (Roarer) führt eine Erkrankung eines Nervs – dem Nervus laryngeus recurrens – zu einem Funktionsausfall eines Teils der Kehlkopfmuskulatur, wodurch der Kehlkopf nicht mehr ausreichend erweitert werden kann. Meistens ist die linke Kehlkopfhälfte betroffen.
Alles im Überblick – endoskopische Laser Ventriculokordektomie
ca. 30 Minuten | ![]() Kein Verband |
![]() Sedation | ![]() 4-6 Wochen Auslaufboxe
nach 4-6 Wochen freier Weidegang |
![]() 2-3 Tage Spitalaufenthalt | ![]() 2 Wochen Schritt
2-4 Wochen Schritt und Trab
nach 4-6 Wochen gewohnte Bewegung |
![]() Nach 10 Tagen Nahtentfernung | ![]() Sehr gute Prognose |
Alles im Überblick – Tieback Operation
ca. 1-2 Stunden | ![]() Kein Verband |
![]() Sedation oder Vollnarkose | ![]() 3 Wochen Boxe
5 Wochen Auslaufboxe
nach 8 Wochen freier Weidegang |
![]() 5 Tage Spitalaufenthalt | ![]() 3 Wochen Schritt
2 Wochen Schritt und Trab
nach 8 Wochen gewohnte Bewegung |
![]() Nach 10 Tagen Nahtentfernung | ![]() Gute Prognose |
Wissenswertes zum Kehlkopfpfeifen
Wie kommt es zu Kehlkopfpfeifen?
In den meisten Fällen liegt keine spezifische Ursache für die Erkrankung des Nervs vor. Im Englischen spricht man auch von «Recurrent laryngeal neuropathy». Es ist aber bekannt, dass Kehlkopfpfeifen auch eine genetische Grundlage hat, hauptsächlich bei grossgewachsenen Pferden auftritt und vermehrt bei gewissen Rassen wie Warmblütern, Vollblütern und einigen Kaltblütern vorkommt. Bei Vollblütern beispielsweise sind 3-8% der Pferde von Kehlkopfpfeifen betroffen – es ist somit eine häufige Erkrankung.
Welche Problematik resultiert aus einem Kehlkopfpfeifen?
Die Problematik resultiert aus dem Funktionsausfall des betroffenen Teils der Kehlkopfmuskulatur. Der Kehlkopf kann somit seine Hauptfunktionen nicht mehr richtig ausüben. Das sind zum einen das Aufspannen und somit Erweitern des Luftwegs beim Einatmen, sowie das Verschliessen des Kehlkopfs beim Schlucken.
Was sind typische Symptome eines Kehlkopfpfeifens?
Typische Symptome sind Leistungsschwäche sowie ein pfeifendes bis röhrendes Atemgeräusch (daher auch die englische Bezeichnung «Roarer»), welches während der Einatmungsphase bei athletischer Belastung auftritt. Die Kopf-Halshaltung kann hierbei einen Einfluss haben: bei gebeugter Haltung werden die Symptome meist deutlicher. Es ist wichtig zu verstehen, dass es unterschiedliche Grade der Erkrankung gibt. Das heisst, es gibt Pferde, bei denen nur sehr milde Symptome auftreten bis hin zu Pferden, die an starken Atembeschwerden unter Belastung leiden. Die Erkrankung kann progressiv sein, sich also im Laufe der Zeit verschlimmern. Schon junge Pferde können Symptome der Erkrankung zeigen.
Wie kann ich herausfinden, ob mein Pferd unter Kehlkopfpfeifen leidet?
Für die Diagnose eines Kehlkopfpfeifens ist eine tierärztliche Untersuchung notwendig. Hierzu gehört neben einer klinischen Untersuchung unter Belastung auch eine Endoskopie der oberen Atemwege. Dazu wird am unsedierten Pferd ein flexibles Endoskop (Kamera) durch die Nase eingeführt, um den Rachen- und Kehlkopfbereich darstellen zu können. Da Symptome von Kehlkopfpfeifen bei Sport- und Rennpferden oftmals nur unter körperlicher Anstrengung auftreten, kann neben der Endoskopie am stehenden Pferd auch eine sogenannte dynamische Endoskopie während der Belastung hilfreich sein. Hierfür wird das Pferd entweder während der Endoskopie auf dem Laufband bewegt (sog. Laufbandendoskopie) oder es wird ein spezielles, mit einem Funksystem ausgerüstetes Endoskop verwendet und das Pferd während der endoskopischen Untersuchung geritten oder longiert (sog. Overground-Endoskopie). Der Tierarzt kann dann dank Bluetooth übertragenen Bildern auf einem portablen Bildschirm die Kehlkopffunktion während der Belastung beurteilen.
Wie kann Kehlkopfpfeifen behandelt werden?
Wenn ein Pferd unter Symptomen von Kehlkopfpfeifen leidet, so ist in der Regel eine Operation erforderlich. Je nach Ausprägung des Kehlkopfpfeifens, dem Ausmass von Leistungsschwäche bzw. Atemgeräusch, athletischer Nutzung des Pferdes und individueller Abwägung wird die für den einzelnen Patienten optimale Operationstechnik gewählt.
Wissenswertes zur Operation
Wer operiert mein Pferd?
Die Beratung
Eine intensive und ausführliche Beratung ist einer der wichtigsten Punkte bei einer OP. Wir erklären Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten und empfehlen Ihnen eine Behandlungsmethode. Wir beantworten in aller Ruhe alle Ihre Fragen über Ablauf, Kosten, Risiken, Ergebnis und Pflege nach der OP.
Was ist eine Roarer-Operation?
Die klinisch bedeutsamsten Operationsmethoden sind die Laryngoplastik (auch als «Tie-back» bezeichnet) und die Ventriculokordektomie. Beide Eingriffe werden am stehenden Pferd durchgeführt.
In seltenen, früh erkannten Fällen, bei denen eine gewisse Muskelfunktion noch vorhanden ist, kann eine sogenannte „Reinnervation“ durchgeführt werden, um die Funktionsfähigkeit des Muskels wieder herzustellen (siehe unten).
Operationsvorbereitung
Vor der Operation wird das Operationsfeld geschoren und Ihrem Pferd wird ein Venenkatheter gelegt. Durch diesen werden vor der Operation Breitspektrumantibiotika, entzündungshemmende Medikamente sowie Schmerzmittel verabreicht. Eine Ventriculokordektomie und Laryngoplastik kann in der Regel stehend und unter einer einzigen Sedation durchgeführt werden.
Ihr Pferd wird zunächst leicht sediert und in einen Stand gebracht. Die Sedation wird mit einer Dauertropfinfusion aufrechterhalten.
Unter endoskopischer Kontrolle wird dann zunächst die Ventriculokordektomie mittels Laser durchgeführt (siehe unten), bevor die Haut im OP-Gebiet für die Laryngoplastik (siehe Bild) mehrfach desinfiziert und anschliessend die Region mit sterilen Tüchern abgedeckt wird.
Was wird bei der Ventriculokordektomie gemacht?
Bei diesem Eingriff werden die Stimmfalte und Stimmtasche im Kehlkopf ein- bzw. beidseitig partiell entfernt. Dies kann minimal-invasiv mittels Laserchirurgie durchgeführt werden. Hierbei werden am stehenden, sedierten Pferd eine Laserfaser durch ein flexibles Endoskop sowie eine spezielle Greifzange durch die Nase bis an den Kehlkopf eingeführt.
Unter endoskopischer Kontrolle kann dann die Stimmfalte und -tasche partiell entfernt werden. Dies dient dazu, dass diese während der Einatmung nicht kollabieren und für einen turbulenten Luftstrom sowie das Atemgeräusch sorgen.
Was wird bei der Laryngoplastikoperation gemacht?
Bei der Laryngoplastik wird ein Hautschnitt seitlich am Kehlkopf (am Hals direkt hinter dem Unterkieferast) angefertigt und der Kehlkopf frei präpariert.
Anschliessend werden ein bis zwei Implantate in Form von sehr zugfesten Fäden am Kehlkopf so eingesetzt, dass der Kehlkopf auf der betroffenen Seite aufgespannt und der Atemweg so wieder erweitert werden kann. Zur Verankerung dieser Fäden in den Kehlkopfknorpeln stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Der Chirurg/die Chirurgin wird die für den individuellen Patienten am besten geeignete Methode auswählen.
Der Hautschnitt wird vollständig wieder vernäht.
Was wird bei einer Reinnervation gemacht?
Bei einer Reinnervation wird der geschädigte Nerv (Nervus laryngeus recurrens) durch zwei andere Nerven (Nervus accessorius und C1-C2-Nerv) ersetzt.
Dafür werden zwei Hautschnitte seitlich am Kehlkopf angefertigt und der Kehlkopf mitsamt dem betroffenen Muskel freipräpariert. Ebenso werden die entsprechenden Nerven freipräpariert und vorsichtig in den betroffenen Muskel eingebettet.
Ob eine Reinnervation führ ihr Pferd in Frage kommt, kann mittels der klinischen, endoskopischen sowie einer ultrasonographischen Untersuchung abgeklärt werden.
Die Reinnervation kann auch in Kombination mit einer Ventriculokordektomie und Laryngoplastik durchgeführt werden.
Nach der Operation
Direkt nach der Operation verbringt Ihr Pferd zur Überwachung mindestens eine Nacht in unserer Klinik. Ihr Pferd wird auch nachts regelmässig kontrolliert und notwendige Medikamente werden verabreicht. In den nächsten Tagen wird eine Wundkontrolle sowie eine Kontroll-Endoskopie durchgeführt.
Wurde lediglich eine Ventriculokordektomie mittels Laserchirurgie durchgeführt, können die Pferde dann in der Regel nach Hause.
Bei einer Laryngoplastik behalten wir die Patienten dagegen ca. 3-5 Tage in der Klinik, da sie in diesem Zeitraum noch Wundkontrollen sowie intravenös zu verabreichende Medikamente über einen Venenkatheter bekommen.
Die Nachsorge zu Hause wird durch Ihre/n Privattierarzt/-ärztin überwacht, diese(n) informieren wir, bevor Ihr Pferd nach Hause geht. 10-14 Tage nach der Laryngoplastikoperation können die Hautnähte entfernt werden.
In den ersten 6 Wochen nach der Operation sollte das Pferd kontrolliert im Schritt bewegt werden. Nach diesen 6 Wochen empfehlen wir eine klinische und endoskopische Nachkontrolle durch Ihren Privattierarzt oder am Tierspital Zürich.
Bei einer zufriedenstellenden Nachkontrolle kann danach mit Trabarbeit begonnen werden. Circa nach 8 Wochen kann das Pferd wieder in allen Gangarten geritten werden.
Wie sind die Erfolgsaussichten und Risiken einer Kehlkopfpfeiferoperation?
Eine Ventriculokordektomie bringt meist gute Effekte bezüglich Reduktion des Atemgeräusches. Die Verbesserung des Luftflusses unter Belastung und damit auch einer Leistungsschwäche ist abhängig vom individuellen Krankheitsbild, ist generell aber als weniger effektiv einzustufen als bei einer Laryngoplastikoperation. Bezüglich Risiken ist eine Ventriculokordektomie aber ein sehr sicherer Eingriff mit einer niederen Komplikationsrate.
Eine Laryngoplastikoperation dagegen ist meist sehr effektiv bezüglich Wiederherstellung des Luftflusses unter Belastung und damit auch zur Elimination von Leistungsschwäche. Dafür können bei diesem Eingriff auch häufiger Komplikationen auftreten. Hierzu gehören vor allem Wundheilungsstörungen wie Serombildung (also Ansammlung von Wundwasser) sowie Husten und Dysphagie nach der Operation. Unter Dysphagie versteht man eine Schluckstörung, im Rahmen derer auch Futterpartikel in die Luftröhre gelangen und so zu Husten führen können. Dies hat auch damit zu tun, dass die betroffene Kehlkopfseite durch die Implantate permanent aufgespannt und so die natürliche Schutzfunktion beim Schlucken weiter eingeschränkt wird. Viele Pferde zeigen in den ersten wenigen Wochen nach der Operation Husten. Bei den meisten legt sich dieser wieder, in wenigen Fällen aber kann dieser anhaltend sein, was dann eine spätere chirurgische Entfernung der Implantate nötig machen kann. Andere Komplikationsmöglichkeiten sind Wundinfektionen, Verlust des Aufspanneffekts oder Ausreissen der Implantate im Laufe der Zeit oder Probleme mit anderen Kehlkopffunktionsstörungen.
Das genaue Abwägen der Vorteile der unterschiedlichen Operationstechniken aber auch der Komplikationsmöglichkeiten im Hinblick auf jeden einzelnen Patienten mit seinem individuellen Krankheitsbild ist gerade beim Kehlkopfpfeifen von grosser Wichtigkeit, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Deshalb legen wir grossen Wert auf eine genaue Diagnostik vor der Operation, sowie ein ausführliches Beratungsgespräch mit Ihnen.
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