Knocheninfektion (Sequesterbildung)

Riss-­und Quetschwunden sind beim Pferd sehr gefürchtet. Das Problem ist, dass neben dem Riss das umliegende Gewebe durch die Quetschung stark beschädigt wurde. Solche Wunden können nach einigen Tagen schlimmer aussehen als am Tag des Unfalles, da viele kleine Gefässe zerrissen wurden und damit die nötige Blutversorgung des Gewebes nicht mehr gewährleistet werden kann. Solchermassen unterversorgtes Gewebe stirbt natürlich ab, es kann zu Wundinfektionen kommen und die genähte Wunde bricht auf (Dehiszenz). Weiter muss beachtet werden, dass es auch zu einer Verletzung der Knochenhaut kommen kann, was die Entstehung eines Sequesters (totes Knochenstück) fördert.

Wissenswertes zur Knocheninfektion (Sequesterbildung)

Was ist ein Sequester?

Unter dem Sequester verstehen wir ein abgestorbenes Knochenstück, welches durch Granulationsgewebe vom gesunden Knochen getrennt ist.

Schema eines Sequesters im Röhrbeinbereich. Typischerweise bildet sich ein Fistelkanal bis zum toten Knochenstück und der herumliegende Knochen versucht das tote Stück auszuarbeiten und es entsteht ein Knochenkrater rundherum.

Was ist die Ursache eines Sequesters?

Durch Trauma im Knochen-­ bzw. der Knochenhaut, seltener durch einen lokalen Infekt oder eine Blutgerinnselbildung, entsteht ein abgestorbenes Knochenstück, welches vom umliegenden Knochen abgegrenzt wird. Sekundär kommt es in den meisten Fällen zu einer Wundinfektion.

Typische Symptome

Sequester sind bei Rindern sehr häufig und bei den Pferden nicht selten vorkommend. Wir sehen Sequester vor allem beim Radius (Oberarm), Röhrbein, dem Unterkiefer und dem Schienbein (Tibia).

Typischerweise erleidet das Pferd eine Riss- oder Quetschwunde, bei der die Knochenhaut geschädigt wurde. Nicht immer muss eine Wunde vorhanden sein. Manchmal bilden sich Sequester auch in Folge von geschlossenen Schlagverletzungen.

Zu Beginn ist kein Sequester sichtbar. Im Verlauf der Wundheilung zeigen die betroffenen Pferde eine Lahmheit. Auch heilt die Wunde nicht schön ab, es kommt zu Schwellung, Fistelkanal-Bildung und vermehrtem Wundausfluss. Diese klinischen Symptome könnten auf einen Sequester hinweisen.

Es hat sich im vorderen Röhrbeinbereich ein Sequester gebildet, welcher chirurgisch entfernt werden muss.

Diagnosestellung – Röntgen

Mittels eines Röntgenbildes kann die Diagnose eines Sequesters gestellt werden. Oft ist bei einer frischen Verletzung noch keiner sichtbar, erst ca. 7-10 Tage nach dem Trauma.

Behandlung einer Knocheninfektion (Sequesterbildung)

Behandlungsmöglichkeiten

Die meisten Sequester müssen beim Pferd chirurgisch entfernt werden. Dies geschieht je nach Charakter des Pferdes und je nach Lage und Grösse des Sequesters entweder stehend unter Sedation oder unter Vollnarkose.

Wissenswertes zur Operation

Wer operiert mein Pferd?

Um den höchsten Standard zu gewährleisten, werden Operationen von einem Chefarzt oder einer erfahrenen Oberärztin, einem erfahrenen Oberarzt geleitet.

Die Beratung

Eine intensive und ausführliche Beratung ist einer der wichtigsten Punkte bei einer Operation. Wir erklären Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten und empfehlen Ihnen eine Behandlungsmethode. Wir beantworten in aller Ruhe alle Ihre Fragen über Ablauf, Kosten, Risiken, Ergebnis und Pflege nach der Therapie.

Die Untersuchungen vor der OP

Eine Sequesterentfernung macht erst richtig Sinn wenn der Sequester schön gereift ist und sich gut vom lebenden Knochen demarkiert (abgesondert) hat. Dies braucht manchmal mehrere Wochen. Der Reifungsprozess wird radiologisch überwacht.

Die Operation – Sequesterentfernung

Der Zugang wird direkt über dem Sequester gemacht und dieser dann entfernt. Alles tote Material muss entfernt und der zurückbleibenden Knochen mit dem scharfen Löffel sorgfältig gekratzt werden. Eine Drainage (Abfluss) muss Geschäft werden, damit sich kein Wundwasser ansammelt. Die Wunde wird nach Entfernen des Sequesters dann offen gelassen oder ein Teil wird verschlossen wenn möglich. Nach der Operation wird ein Verband angelegt und das Pferd wird in eine spezielle Boxe gebracht, damit es sicher von der Narkose aufstehen kann.

Die Nachsorge

Die Nachsorge ist für eine optimale Heilung und ein schönes Ergebnis sehr wichtig. Wir erklären Ihnen worauf sie bei Ihrem Pferd zu Hause achten müssen, was Ihr Pferd machen darf und was nicht. Zudem erhalten Sie einen schriftlichen Bericht mit genauen Anweisungen. Die Nachsorge zu Hause wird durch Ihren Privattierarzt überwacht, diesen informieren wir bevor Ihr Pferd nach Hause geht.

Die Abheilzeit und Prognose

Nach der Operation benötigt Ihr Pferd bis zum Abheilen der Wunde einen Verband. Die Fäden können 10 Tage nach der Operation entfernt werden. Die Abheilzeit beträgt ca. 2-4 Wochen und ist abhängig vom Ausmass der Wunde und der Grösse und Lage des Sequesters.

Die Prognose ist gut bis sehr gut.

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