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Gelenksinfektion bei Fohlen (septische Arthritis)

Gelenksinfektion bei Fohlen (septische Arthritis)

Eine Gelenksinfektion (septische Arthritis) oder Sehnenscheideninfektion (septische Tenovaginitis) ist eine schwere Erkrankung, die die Gelenke bzw. Sehnenscheide junger Fohlen befallen und kann unter Umständen auch lebensbedrohlich sein. Betroffen sind in der Regel Fohlen bis zu einem Lebensalter von ca. 4 Monate, wobei das höchste Risiko zu erkranken in den ersten 30 Lebenstagen besteht. Die Erkrankung kann im Zusammenhang mit einer Sepsis (Blutvergiftung) oder mit einem Mangel an Antikörpern auftreten, kann aber auch als alleiniger Befund erhoben werden. Eine Nabelentzündung stellt z.B. auch eine gefährliche Eintrittspforte für Bakterien dar und Gelenksinfektionen oder eine allgemeine Septikämie (Blutvergiftung) können damit einhergehen.

Alles im Überblick – Septische Arthritis

UTZ_PF_Piktogramm_Dauer
ca. 1-2 Stunden
10-14 Tage
Vollnarkose
4 Wochen Boxe
4-8 Wochen Auslaufboxe
Ca. 7-10 Tage Spitalaufenthalt
6-8 Wochen Schritt und kleiner Paddock
Nach 10-12 Wochen gewohnte Bewegung und Weide
Nahtentfernung nach 10-14 Tagen
Gute Prognose, wenn frühzeitig erkannt

Wissenswertes zu Gelenksinfektionen (septischer Arthritis)

Ursachen und Risikofaktoren für eine Gelenksinfektion

Häufig liegt zunächst eine manchmal unerkannt verlaufende Infektion des Atmungstrakts, der Nabelregion oder des Magen-Darm-Trakts vor. Anschliessend kommt es zu einer Erregerausbreitung über das Blut. Dies ist die häufigste Ursache für eine Infektion der Gelenke und Sehnenscheiden beim Fohlen.

Frühgeburten, Zwillingsgeburten, zu früher Milchfluss bei der Stute und verzögerte oder ungenügende Kolostrumaufnahme sind wichtige Risikofaktoren.

Wie kommt es zu einer synovialen (Gelenks- oder Sehnenscheiden) Infektion?

Gelenke und Sehnenscheiden werden zusammen als «synoviale Strukturen» bezeichnet. Diese sind aufgrund von lokalen Stoffwechselbesonderheiten bevorzugte Zielorgane für Infektionen bei jungen Fohlen. Durch den besonderen Gefässverlauf im Bereich der Wachstumsfuge und der Gelenkswand wird der Blutstrom in diesem Bereich verlangsamt, wodurch das Anheften der Keime begünstigt wird. Das Krankheitsbild hängt wesentlich vom Immunstatus, dem Erregertyp und dem Infektionsort ab.

Welche synoviale Strukturen können betroffen sein?

Generell kann die Infektion in allen Gelenken und Sehnenscheiden auftreten, wobei Knie-, Fessel- und Sprunggelenke am häufigsten betroffen sind. Die Infektion kann in einer oder mehreren synovialen Strukturen vorkommen.

Klinische Symptome

Typisch sind:

  • diffuse lokale Schwellung und Schmerzhaftigkeit
  • vermehrte Gelenks- oder Sehnenscheidenfüllung
  • lokal erhöhte Temperatur
  • Lahmheiten

Bei neugeborenen oder wenige Tage alten Fohlen stehen die Symptome der Septikämie (Blutvergiftung) im Vordergrund.

Diagnosestellung

Bei Fohlen jünger als 60 Tage, die eine Füllung eines Gelenks oder einer Sehnenscheide zeigen, muss man immer an eine Infektion denken! Die frühzeitige Diagnose einer Gelenks- oder Sehnenscheideninfektion ist für den Erfolg der Behandlung von entscheidender Bedeutung.

Diagnosestellung – Röntgen

Die radiologische Untersuchung ist nötig zur Abklärung ob der Knochen sich bereits herdförmig aufgelöst hat. Diese sogenannten osteolytischen (Osteolyse = Auflösung von Knochengewebe) Herde werden ca. 3-7 Tage nach Beginn der Infektion auf den Röntgenbildern sichtbar.

Röntgenbild eines Fohlens mit einem septischen Sprunggelenk. Hier sehen wir im Bereich der Wachstumsfuge Anzeichen eines Knocheninfektes, gekennzeichnet durch Knochenauflösung.

Diagnosestellung – Röntgen

Die radiologische Untersuchung ist nötig zur Abklärung ob der Knochen sich bereits herdförmig aufgelöst hat. Diese sogenannten osteolytischen (Osteolyse = Auflösung von Knochengewebe) Herde werden ca. 3-7 Tage nach Beginn der Infektion auf den Röntgenbildern sichtbar.

Ultraschallaufnahme von einem Fohlen mit einem septischen Sprunggelenk. Auffällig sind die weisslichen Blumenkohl artigen Fibrinzubildungen im Gelenk.

Diagnosestellung – Ultraschall

Die Untersuchung mit dem Ultraschall kann ebenfalls hilfreich sein. Typische Befunde in der Ultraschalluntersuchung bei einer Infektion sind eine vermehrte Füllung des Gelenkes/der Sehnenscheide mit einzelnen, flockigen Bestandteilen.

Dunkelgelb, trübe Gelenksflüssigkeit mit flockigen Beimengungen, welche vereinbar ist mit einem schwerwiegenden Gelenksinfekt.

Diagnosestellung – Punktion des Gelenks

Die definitive Diagnose wird mittels Punktion und Untersuchung der gewonnen Gelenksflüssigkeit gestellt. Die Gelenksflüssigkeit kann anschliessend im Labor untersucht werden und der die Infektion verursachende Erreger bestimmt werden.

Wie verhindere ich eine Gelenksinfektion bei meinem Fohlen?

Es ist allgemein auf eine gute Hygiene im Stall zu achten. Eine designierte und vorher gründlich gesäuberte Abfohlboxe sollte zur Verfügung stehen, sodass die Keimbelastung zum Zeitpunkt der Geburt niedrig ist.

Die Nabelschnur trennt sich nach der Geburt selbstständig ab wenn die Stute und das Fohlen sich bewegen. Die Nabelschnur sollte nach der Geburt nicht mit den Händen oder Werkzeugen (z.B. Schere oder Messer) abgetrennt werden. Sollte es zu Blutungen aus dem Nabel kommen, kann dieser mit einer sauberen Schnur oder einem Plastikclip abgebunden werden. Verständigen Sie in diesem Fall sofort Ihren Tierarzt damit eine korrekte Nachsorge eingeleitet werden kann.

Der Nabel kann in den ersten 2 Tagen nach Geburt mit milden Desinfektionsmittel zweimal täglich desinfiziert werden. Der Nabel wird dabei kurz in eine Desinfektionlösung getaucht. Hierzu eignen sich verdünnte Chlorhexidin- oder Jodlösungen. Diese müssen zwingend verdünnt sein, wenden Sie sich bereits vor der Geburt an Ihren Tierarzt damit er Ihnen die notwendigen Lösungen und Gefässe bereitstellt. Vermeiden Sie desinfizierende Sprays z.B. Blauspray, Zinkspray etc., diese sind nicht geeignet. Falls Sie nichts zur Verfügung haben empfehlen wir den Nabel gar nicht zu desinfizieren. Der Nabel sollte nicht länger als 2 Tage desinfiziert werden. Manipulieren Sie den Nabel so wenig wie möglich.

Fohlen bekommen in der Gebärmutter keine Antiköper von der Stute übertragen, sämtliche Antikörper, um Infektionen vorzubeugen müssen über die erste Milch – die Biestmilch (Kolostrum) aufgenommen werden. Stellen Sie sicher dass das Fohlen genug Kolostrum von adäquater Qualität aufnimmt. Wir empfehlen einen Antikörpertest im Blut des Fohlens im Alter von ca. 24h um sicherzustellen dass das Fohlen keinen Antikörpermangel hat. Dies ist ein Risiko für viele Fohlenerkrankungen.

Kontaktieren Sie bei jedem Verdacht auf eine Infektionserkrankung (Fieber, Durchfall etc.) bei Ihrem Fohlen Ihren Tierarzt. Da das Immunsystem von Fohlen noch nicht ausgereift ist, müssen häufiger Antibiotika verabreicht werden, um schlimme Begleiterkrankungen wie z.B. Gelenksinfektionen vorzubeugen.

Wissenswertes zur Behandlung von Gelenksinfektionen

Eine Gelenks- oder Sehnenscheideninfektion ist ein Notfall und erfordert eine sofortige Therapie.

Chirurgische Therapie

Die wichtigste Massnahme ist die Spülung der betroffenen synovialen Struktur und soll so früh wie möglich durchgeführt werden. Dadurch wird die Konzentration der Entzündungszellen und Infektionserreger reduziert und einer Knochenauflösung vorgebeugt.

Die Spülung kann in frischen Fällen mit Kanülen erfolgen, jedoch werden meistens spätestens 2 Tage nach Beginn der Infektion grosse Menge an Fibrin produziert, so dass in diesem Fall eine Arthroskopie indiziert ist. Durch eine Arthroskopie kann das Fibrin entfernt und die synoviale Struktur beurteilt werden. In Fällen, wo auf dem Röntgenbild Veränderungen des Knochens sichtbar sind, sollte man eine Arthroskopie durchführen und sichtbare Infektionsherde am Knochen sollten ausgekratzt werden.

Die Spülungen müssen ggf. mehrmals erfolgen, bis zur Besserung der klinischen Symptome und der Laborparameter. Nach Abschluss der Spülung wird in die synoviale Struktur ein Antibiotikum verabreicht. Zusätzlich erhalten die Fohlen einen Entzündungshemmer und einen Magenschutz.

In gewissen Fohlen ist der Ursprung der septischen Arthritis eine Nabelinfektion. In diesen Fohlen wird in derselben Vollnarkose auch noch der Nabel entfernt, um das weitere Verteilen der Bakterien auf andere synoviale Strukturen zu verhindern.

Zum Schutz der Nähte wird je nach Lokalisation ein Verband angelegt. Sobald die Operation fertig ist, wird das Fohlen zu der Mutter in die Boxe zum Aufwachen gebracht, wo es dann einige Stunden nach der Operation auch wieder trinken darf.

Wissenswertes zur Operation

Wer operiert mein Fohlen?

Um den höchsten Standard zu gewährleisten, werden Operationen von einem Chefarzt oder einer erfahrenen Oberärztin, einem erfahrenen Oberarzt geleitet.

Spezialisierte Anästhesieoberärztin, welche die Vollnarkose eines Pferdes überwacht.
Spezialisierte Anästhesieoberärztin, welche die Vollnarkose eines Pferdes überwacht. Analog zu der Humanmedizin werden alle wichtigen Parameter ihres Pferdes über einen Monitor genauestens überwacht.

Narkose

Die Gelenksspülungen werden in Vollnarkose oder in tiefer Sedation gemacht. Dies hängt davon ab wie schwerwiegend die Infektion ist, ob mit Nadeln oder mit dem Arthroskop gespült werden muss, ob viel Fibrin vorhanden ist und ob infizierter Knochen entfernt werden muss.

Die Mutter begleitet das Fohlen in den Operationssaal und bleibt beim Fohlen bis es in Narkose schläft. Die Mutter wird dann bei Bedarf beruhigt (sediert) und wieder in die Boxe gebracht.

Die heutigen sehr schonenden Narkosemethoden sind sicher und deutlich weniger belastend als frühere Methoden. Zudem ist eine umfangreiche Überwachung des Patienten während der Narkose inkl. Blutdruckmessung, EKG, Atemgasmessung etc. Standard. Alle Narkosen werden von speziell hierfür ausgebildeten Tierärzten, den Anästhesisten, durchgeführt.

Nach der Operation

Direkt nach der Operation verbringt Ihre Stute und Fohlen noch einige Tage bis zu ca. einer Woche in unserer Klinik. Die Spülungen müssen ggf. mehrmals erfolgen, bis zur Besserung der klinischen Symptome und der Laborparameter.

Die Nachsorge

Auch die weitere Nachsorge dort ist für eine optimale Heilung und ein gutes Ergebnis sehr wichtig. Wir erklären Ihnen worauf Sie bei Ihrem Pferd zu Hause achten müssen, was Ihr Pferd machen darf und was nicht. Zudem erhalten Sie einen schriftlichen Bericht mit genauen Anweisungen. Die Nachsorge zu Hause wird durch Ihren Privattierarzt/-ärztin überwacht, diese(n) informieren wir bevor Ihr Pferd nach Hause geht.

Prognose

Die Prognose ist von der körperlichen Konstitution, der Dauer der Erkrankung, der Anzahl der betroffenen synovialen Strukturen, der Grösse der Knochenveränderungen und dem Ansprechen auf die Therapie abhängig. Die Prognose für das Überleben der Fohlen nach Gelenks- oder Sehnenscheideninfektion liegt zwischen 42 und 84%. Der Zeitpunkt der ersten Behandlung ist dabei ein wesentlicher Faktor.

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