Nervenschnitt (Neurektomie)

Der Nervenschnitt oder auch Neurektomie genannt steht manchmal als letzte Möglichkeit zur Verfügung, wenn chronisch degenerative Erkrankungen nicht auf eine Therapie ansprechen.

Nervenschnitt über eine sogenannte "Pull-through Technik". Diese Technik hat den Vorteil, dass nur zwei kleine Hautschnitte gemacht werden und, dass trotzdem ein grosses Stück Nerv entfernt werden kann.

Alles im Überblick – Nervenschnitt (Neurektomie)

UTZ_PF_Piktogramm_Dauer
ca. 0.5 – 1 Stunde
14 Tage
Vollnarkose, vereinzelt auch unter Sedation möglich
2-3 Wochen Auslaufboxe
2-3 Tage Spitalaufenthalt
3-4 Wochen Schritt, danach Aufbau
Nahtentfernung nach 10 Tagen
Sehr gute Prognose

Wissenswertes zum Nervenschnitt

Wann wird ein Nervenschnitt durchgeführt?

Zunächst wird eine gründliche orthopädische Untersuchung durchgeführt, um die Lahmheitsursache genau zu lokalisieren. Wenn alle anderen zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten nicht zu einer Besserung geführt haben, kann ein Nervenschnitt erfolgen. Wichtig zu wissen ist, dass hiermit keine Heilung der Erkrankung erzielt wird. Da in den meisten Fällen chronisch degenerative Prozesse für die Lahmheit verantwortlich sind, schreiten diese nach einem Nervenschnitt unbemerkt fort.

Tierarzt der eine Diagnostische Anästhesie durchführt.

Wann ist der Nervenschnitt erfolgsversprechend?

Der Nervenschnitt ist nur dann erfolgsversprechend, wenn die Anästhesie der Nerven vorgängig positiv ist. Eine solche diagnostische Anästhesie sollte unbedingt vorgängig durch den Orthopäden durchgeführt werden.

Eine verpönte Operation?

Früher wurde diese Operation durchgeführt und Pferde wurden trotz degenerativer Erkrankungen weiterhin sportliche belastet. Dies hat langfristig zu Komplikationen geführt. Wenn diese Operation aber gezielt bei Freizeitpferden durchgeführt wird und die Besitzer über die Risiken informiert sind, ist es ein guter Eingriff der bei vielen Pferden zu einer Schmerzfreiheit führt und die Lebensqualität dieser Pferde erheblich verbessert.

Hoher und tiefer Nervenschnitt

Den Nervenschnitt kann man entweder in der Fesselbeuge (Tiefer Nervenschnitt) oder oberhalb des Fesselkopfes (hoher Nervenschnitt) durchführen. Dies hängt von der Lahmheitsursache Ihres Pferdes ab und wird mit Ihnen ausführlich besprochen.

Ist der Nervenschnitt permanent?

Der Therapieerfolg hält durchschnittlich 1 bis 3 Jahre. Danach muss man damit rechnen, dass eine Reinnervation stattfinden kann und die Lahmheit wieder manifest wird. Bei einer Reinnervation kann der Eingriff wiederholt werden.

Wissenswertes zur Operation

Wer operiert mein Pferd?

Um den höchsten Standard zu gewährleisten, werden Operationen von einem Chefarzt oder einer erfahrenen Oberärztin, einem erfahrenen Oberarzt geleitet.

Die Beratung

Eine intensive und ausführliche Beratung ist einer der wichtigsten Punkte bei einer OP. Wir erklären Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten und empfehlen Ihnen eine Behandlungsmethode. Wir beantworten in aller Ruhe alle Ihre Fragen über Ablauf, Kosten, Risiken, Ergebnis und Pflege nach der OP.

Die Operationsvorbereitungen

Ihr Pferd wird am Tag vor der Operation stationär aufgenommen. Sie erhalten die Handynummern von unseren Tierärzten, damit Sie immer einen Ansprechpartner haben, wenn Sie Fragen haben. Jedes Pferd wird vor der Operation gewogen. Ihr Pferd wird vom zuständigen Chirurgen, der zuständigen Chirurgin und vom Narkosetierarzt, der Narkosetierärztin klinisch sowie orthopädisch untersucht. Um den Ablauf am OP Tag zu beschleunigen, werden die OP Gebiete schon ausgeschoren und vorgewaschen. Dann werden Verbände angebracht, um die OP Gebiete sauber zu halten und um Ihr Pferd an die Verbände zu gewöhnen. Es wird ein Venenkatheter gesteckt.

Ihr Pferd muss nüchtern sein vor der Operation und wird deshalb über Nacht gefastet.

Was geschieht in der OP

Durch den Venenkatheter werden vor der Operation breitspektrum Antibiotika, Entzündungshemmende Medikamente sowie Schmerzmittel verabreicht. Ihr Pferd wird in der Boxe leicht sediert und das Maul wird ausgewaschen. Nach einer sanften Einleitung der Narkose wird die Haut im OP-Gebiet mehrfach desinfiziert, anschließend wird die Region mit sterilen Tüchern abgeklebt. Nun beginnt der eigentliche Eingriff. Die Nerven werden über zwei kleine Zugänge, mittels der sogenannten «Pull through Technik» entfernt. Die kleinen Zugänge werden vernäht und es wird ein steriler Verband angebracht. Nach dem Eingriff wird Ihr Pferd in eine spezielle Aufwachboxe gebracht, wo es von der Narkose aufsteht.

Tierärztin, welche die Vollnarkose eines Pferdes überwacht. Analog zu der Humanmedizin werden alle wichtigen Parameter Ihres Pferdes über einen Monitor genauestens überwacht.

Narkose oder Sedation

Dieser Eingriff wird heutzutage immer in Vollnarkose (Intubationsnarkose) durchgeführt. Vereinzelt kann dieser auch stehend unter Sedation und Lokalanästhesie durchgeführt werde. Lassen Sie sich durch den behandelnden Tierarzt, der behandelten Tierärztin beraten.

Die heutigen sehr schonenden Narkosemethoden sind sehr sicher und deutlich weniger belastend als frühere Methoden. Alle Narkosen werden von speziell hierfür ausgebildeten Veterinärmedizinern durchgeführt.

Vor einer Operation wird Sie der zuständige Chirurg oder die Chirurgin über die Operation, die notwendige Narkose, allfällige Risiken und mögliche Komplikation informieren und Ihre Einwilligung für den Eingriff einholen. Bitte zögern Sie nicht, Fragen zu stellen um Unklarheiten oder Unsicherheiten zu vermeiden.

Ungefähr eine Stunde nach der Aufstehphase wird Ihr Pferd wieder in die Box gebracht und Sie können es ab diesem Zeitpunkt zu den normalen Besuchszeiten besuchen.

Alle Risiken zusammengefasst

Selbstverständlich ist auch eine Neurektomie, wie jede Operation, ein Eingriff, der Komplikationen nach sich ziehen kann. Diese sind jedoch sehr selten. Generell ist ein Nervenschnitt jedoch ein sehr sicherer Eingriff, den unsere Spezialisten sehr häufig und sehr sicher durchführen. Dieser Eingriff führt bei vielen Pferden zu einer Schmerzfreiheit und die Lebensqualität wird somit deutlich verbessert.
Da Ihr Pferd anschliessend an die Operation einen Teil seiner Gliedmasse nicht mehr spürt, dürfen Pferde nach einem Nervenschnitt lebenslang nicht mehr an offiziellen Turnieren teilnehmen. Auch muss sehr auf eine gründliche Hufhygiene geachtet werden, um das Entstehen von tiefreichenden Hufabszessen zu vermeiden. Manchmal (beim hohen Nervenschnitt) können Pferde vermehrt Stolpern.

Die erste Nacht nach der OP

Direkt nach der Operation verbringt Ihr Pferd zur Sicherheit mindestens eine Nacht in unserer Klinik. Von ambulanten Operationen unter Vollnarkose raten wir eher ab, da ihr Pferd so unmittelbar nach der Operation vorerst mal Ruhe hat und optimaler betreut werden kann. Sechs Stunden nach Aufstehen aus der Vollnarkose wird Ihr Pferd mit einem Mash und Heu angefüttert. Ihr Pferd wird überwacht und notwendige Medikamente werden verabreicht. Am nächsten Morgen werden die Verbände meistens gewechselt. Dabei werden die Nähte kontrolliert sowie die Hautsensibilität im Ballenbereich getestet.

Operationswunden: Es sind nur zwei kleine (ca. 1-2 cm) Schnitte vorhanden.

Die Nachsorge

Die Nachsorge ist für eine optimale Heilung und ein schönes Ergebnis sehr wichtig. Wir erklären Ihnen worauf sie bei Ihrem Pferd zu Hause achten müssen, was Ihr Pferd machen darf und was nicht. Zudem erhalten Sie einen schriftlichen Bericht mit genauen Anweisungen. Die Nachsorge zu Hause wird durch Ihren Privattierarzt überwacht, diesen informieren wir bevor Ihr Pferd nach Hause geht. In der Regel benötigt Ihr Pferd während 10 Tagen Verbände, diese können je nach Zustand durch den Privattierarzt alle 3-5 Tage gewechselt werden. 10-14 Tage nach der Operation können die Nähte entfernt werden. Danach wird nochmals ein Verband angebracht.

Die Abheilzeit

Ihr Pferd sollte 3 Wochen nach der Operation in einer Boxe gehalten werden, dabei soll es zum Grasen und Putzen mehrmals täglich rausgenommen werden. Während weiteren 3 Wochen soll ihr Pferd in einer Boxe mit kleinem Auslauf gehalten werden und soll täglich im Schritt an der Hand oder unter dem Sattel bewegt werden. Nach 6-8 Wochen kann wieder mit dem Aufbau im Trab und Galopp begonnen werden.

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