Nasennebenhöhlenzysten

Die zweithäufigste Ursache für eine sogenannte «sekundäre» Nasennebenhöhlenentzündung sind die Nasennebenhöhlen- bzw. Sinuszysten. Hierbei handelt es sich um Umfangsvermehrungen, welche mit einer oft honigfarbenen Flüssigkeit gefüllt sind. Woher diese Umfangsvermehrungen kommen bzw. weshalb sie wachsen, weiss man bis heute nicht genau.

Alles im Überblick – Nasennebenhöhlenzysten Operation über ein Knochenfenster (Flap Operation)

UTZ_PF_Piktogramm_Dauer
ca. 2 Stunden
Kein Verband
Sedation oder Narkose
2 Wochen Auslaufboxe
danach wie gewohnt
5-7 Tage Spitalaufenthalt
2 Wochen Schritt,
4 Wochen leichte Arbeit
danach zurück zur gewohnten Bewegung
Nach 10 Tagen Naht entfernen
Gute Prognose, Rezidive sind möglich

Wissenswertes zur Nasennebenhöhlenzysten

Welches sind die wichtigsten Nasennebenhöhlen beim Pferd?

Die wichtigsten Nasennebenhöhlen bzw. Sinus beim Pferd sind die Kiefer- und die Stirnhöhle. Verfolgt man die Öffnung aus dem mittleren Nasengang, so gelangt man zuerst in die Kieferhöhle des Pferdes. Diese beheimatet die Wurzeln der Backenzähne, welche in diesem Bereich nur von einer sehr dünnen Knochenschicht umfasst sind. Weil diese Knochenschicht so dünn ist, können Infektionen der Backenzahnwurzeln in diesem Bereich zu einer Infektion der Kieferhöhle führen. Die Kieferhöhle besteht aus einer vorderen und einer hinteren Aussackung. Die hintere Aussackung steht mit der Stirnhöhle in Verbindung.

Ursachen für eine Nasennebenhöhlenentzündung?

Nur sehr selten ist die Ursache für eine Nasennebenhöhlenentzündung die Nasennebenhöhle bzw. deren Schleimhaut selber. Wenn, dann ist es am häufigsten so, dass Erkrankungen der Nasenschleimhaut auf die Nasennebenhöhlen übergreifen. Einerseits ist die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen relativ gering durchblutet, anderseits sind die Öffnungen zwischen Nasengang und Nasennebenhöhlen sehr eng, weshalb es schnell zu Sekretansammlungen (z.B. Eiter bei einer Nasennebenhöhleninfektion) kommen kann.

Eine solche sog. «primäre» Nasennebenhöhlenentzündung (auch «primäre» Sinusitis genannt) kann unter Umständen einzig und allein mit einer Antibiotika-Therapie erfolgreich zu behandeln sein, wobei Sekretansammlungen meist durch zusätzliche therapeutische Massnahmen entfernt werden müssen. Viel häufiger ist eine solche Sinusitis aber nicht Ursache sondern Folge einer anderen Erkrankung bzw. erkrankten Struktur. In diesem Falle spricht man von sog. «sekundären» Sinusitis.

Nasennebenhöhlenentzündung als Folge von Zysten

Die zweithäufigste Ursache für eine sog. «sekundäre» Nasennebenhöhlenentzündung sind die sog. Nasennebenhöhlen- bzw. Sinuszysten. Hierbei handelt es sich um Umfangsvermehrungen, welche mit einer oft honigfarbenen Flüssigkeit gefüllt sind. Woher diese Umfangsvermehrungen kommen bzw. weshalb sie wachsen, weiss man bis heute nicht genau.

Wann sollte ich eine Nasennebenhöhlenentzündung vermuten?

Typisch ist einseitiger Nasenausfluss. Im Falle sog. «dentogenen» Nasennebenhöhlenentzündungen (sog. «sekundäre Nasennebenhöhlenentzündungen aufgrund eines infizierte Backenzahns) handelt es sich meist um eitrigen, oft stinkenden Nasenausfluss und einseitig vergrösserte Mandibularlymphknoten. Zudem kann ein betroffenes Pferd Fieber haben. Manchmal zeigen sich zudem Schwellungen am Kopf.

Bei Nasennebenhöhlenzysten ist der einseitige Nasenausfluss oft eher von schleimigem, honigfarbenem Charakter und stinkt deutlich weniger bzw. nicht. Ebenfalls können die Mandibularlymphknoten im Falle einer Sinuszyste vergrössert sein, müssen aber nicht da nicht gleichzeitig auch eine Infektion der Nasennebenhöhle vorliegen muss. Oftmals haben Pferde mit Nasennebenhöhlenzysten Auftreibungen im Gesicht z.B. unterhalb des Auges.

Aus der Humanmedizin weiss man, dass entzündete Nasennebenhöhlen sehr schmerzhaft sind, gerade beim Kauen. Betroffene Pferde fressen deshalb oft schlecht und wirken matt und abgeschlagen.

Diagnosestellung

Schräge Röntgenprojektion der rechten oberen Backenzähne, welche eine Weichteildichte Massen-artige Verschattung im Bereich der Kieferhöhle aufzeigt.

Röntgen

Röntgenbilder helfen darzustellen, ob die Nasennebenhöhlen wie normal luftgefüllt sind oder ob sich darin Sekret ausmachen und somit Eiter oder Schleim vermuten lässt. Oft lässt sich bereits mit Röntgenbildern festhalten, welche Nasennebenhöhlen betroffen sind.

CT-Transversalschnitt, welcher eine grosse Zyste im Bereich der Nasengänge und der Kieferhöhle aufzeigt.

Computertomographie

Oftmals ist Computertomographie (CT) notwendig um das Ausmass einer Sinuszyste zu sehen und auch um eine nachfolgende Operation. besser zu planen. Auf dem CT können auch die Zahnwurzeln genauestens beurteilt werden und als Grundursache ausgeschlossen werden.

Endoskopie

Ist unklar, ob Sekret oder Eiter tatsächlich aus den Nasennebenhöhlen stammt, kann die Sekret- bzw. Eiterspur mittels einer Nasengangspiegelung (Endoskopie) verfolgt und die Öffnung aus dem mittleren Nasengang in die Nasennebenhöhlen untersucht werden. Oftmals sitzen Zysten auch schon in den Nasengängen und schränken den Luftfluss ein. Diese können endoskopisch diagnostiziert werden.

Wissenswertes zur Operation

Wer operiert mein Pferd?

Um den höchsten Standard zu gewährleisten, werden Operationen von einem Chefarzt oder einer erfahrenen Oberärztin, einem erfahrenen Oberarzt geleitet.

Die Beratung

Eine intensive und ausführliche Beratung ist einer der wichtigsten Punkte bei einer OP. Wir erklären Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten und empfehlen Ihnen eine Behandlungsmethode. Wir beantworten in aller Ruhe alle Ihre Fragen über Ablauf, Kosten, Risiken, Ergebnis und Pflege nach der OP.

Die OP Vorbereitungen

Ihr Pferd wird am Tag vor der Operation stationär aufgenommen. Sie erhalten die Handynummern von unseren Tierärzten, damit Sie immer einen Ansprechpartner haben, wenn Sie Fragen haben. Jedes Pferd wird vor der Operation gewogen. Ihr Pferd wird vom zuständigen Chirurgen und vom Narkosetierarzt klinisch untersucht. Sollte sich der Bedarf für weitere Untersuchungen ergeben, dann weisen wir Sie darauf hin. Um den Ablauf am OP Tag zu beschleunigen, werden die OP Gebiete schon ausgeschoren und vorgewaschen. Dann werden Verbände angebracht, um die OP Gebiete sauber zu halten und um Ihr Pferd an die Verbände zu gewöhnen. Ihr Pferd muss nüchtern sein vor der Operation und wird deshalb über Nacht gefastet.

Stehende OP oder OP unter Vollnarkose

Dieser Eingriff kann stehend unter Sedation oder in Vollnarkose durchgeführt werden. Die Zystenausdehnung, Lokalisation sowie das Temperament des Pferdes bestimmen ob dies stehend gemacht werden kann.

Im Falle einer Vollnarkose wird Sie der zuständige Tierarzt über die Operation, die notwendige Narkose, allfällige Risiken und mögliche Komplikation informieren und Ihre Einwilligung für den Eingriff einholen. Bitte zögern Sie nicht, Fragen zu stellen um Unklarheiten oder Unsicherheiten zu vermeiden. Die heutigen sehr schonenden Narkosemethoden sind sehr sicher und deutlich weniger belastend als frühere Methoden. Alle Narkosen werden von speziell hierfür ausgebildeten Tierärzten durchgeführt.

Der OP Tag

Vor der Operation wird Ihrem Pferd einen Venenkatheter gesteckt. Durch diesen werden vor der Operation Breitspektrum Antibiotika, Entzündungshemmende Medikamente sowie Schmerzmittel verabreicht. Ihr Pferd wird in der Boxe leicht sediert und das Maul wird ausgewaschen. Nach einer sanften Einleitung der Narkose wird die Haut im OP-Gebiet mehrfach desinfiziert, anschließend wird die Region mit sterilen Tüchern abgeklebt. Nun beginnt der eigentliche Eingriff. Die Haut wird so durchtrennt, dass sich ein Hautlappen abheben lässt und darunter der Knochen über der Nasennebenhöhle zugänglich wird. Anschliessend wird dieser Knochen auf drei Seiten durchsägt und über die einzige intakte Seite weggebogen bzw. weggeklappt. Hier handelt es sich analog zum Hautlappen also nun um einen Knochenlappen. Anstelle eines kleinen Bohrlochs verfügt man nun um ein grösseres Fenster, über welches man die darunterliegende Nasennebenhöhle gut untersuchen kann. Anstelle nur zu spülen, kann nun infiziertes und erkranktes Gewebe (z.B.. eine Sinuszyste) direkt entfernt werden. Anschliessend legt man sowohl Knochen- als auch Hautlappen wieder zurück und befestigt bzw. vernäht sie wieder. Nach dem Eingriff wird Ihr Pferd in eine spezielle Aufwachboxe gebracht, wo es von der Narkose aufsteht.

Risiken

Oft kommt es vor, dass die ursprüngliche Öffnung der Nasennebenhöhle in den mittleren Nasengang nicht mehr durchgängig ist. Anhand der Operation wird deshalb oft eine neue Öffnung angefertigt. Dabei kann es zu Nasenbluten kommen in der Operation, welches durch das Einlegen von Tamponaden gestoppt wird.

Die Verschmutzung der Knochen- bzw. Hautlappen durch das Sekret bzw. den Eiter aus den freigelegten Nasennebenhöhlen ist oft kaum zu verhindern. Deshalb besteht ein erhöhtes Risiko für Nahtinfektionen. Meist heilen diese mit der richtigen Behandlung schnell und gut ab, manchmal kann es aber auch zu Infektionen des Knochens kommen. In diesen Fällen kann es nötig werden, gewisse Anteile des infizierten Knochens zu entfernen.

Im Idealfall bleiben nach diesem Eingriff nur einige weisse Haare im Bereich der Naht zurück, welche von der ursprünglichen Operation zeugen. Es kann allerdings auch zu leichten Konturstörungen am Pferdekopf kommen, durch das Abheben und neuerliche Anmachen des Knochenlappens.

Nach der Operation

Direkt nach der Operation verbringt Ihr Pferd zur Sicherheit einige Nächte in unserer Klinik. Sechs Stunden nach Aufstehen aus der Vollnarkose wird Ihr Pferd mit einem Mash und Heu angefüttert. Ihr Pferd wird überwacht und notwendige Medikamente werden verabreicht.

2-3 Tage nach der Operation werden die Tamponaden, eingebracht zur Blutstillung, entfernt und die Nasennebenhöhle neuerlich gespült. Meist gilt es, diese Spülung noch einige Male zu wiederholen und die komplikationslose Abheilung der Operationsnaht zu überwachen. Oft verlassen die Pferde die Klinik ca. eine Woche nach Eintritt.

Nachsorge

Die Nachsorge ist für eine optimale Heilung und ein schönes Ergebnis sehr wichtig. Wir erklären Ihnen worauf sie bei Ihrem Pferd zu Hause achten müssen, was Ihr Pferd machen darf und was nicht. Zudem erhalten Sie einen schriftlichen Bericht mit genauen Anweisungen. Die Nachsorge zu Hause wird durch Ihren Privattierarzt überwacht, diesen informieren wir bevor Ihr Pferd nach Hause geht. Unter Umständen kann auch Ihr Privattierarzt zu Hause weitere Nasennebenhöhlenspülungen durchführen, falls angebracht. Auf jeden Fall wird er ca. 10 Tage nach der Operation die Fäden entfernen.

Die Abheilzeit

Ihr Pferd sollte bis zum Entfernen der Fäden unter Boxenruhe gehalten und kontrolliert im Schritt an der Hand oder unter dem Sattel bewegt werden. Freier Weidegang erst wieder nach Entfernen der Fäden. Während 4 Wochen nur leichte Arbeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Computertomographie (CT)

Die Computertomografie (CT) ist eine Röntgenuntersuchung, die detaillierte Schnittbilder der zu untersuchenden Körperregion liefert.

Röntgen

Eines der am häufigsten in der Pferdemedizin eingesetzten bildgebenden Verfahren ist das Röntgen.

Endoskopie

Die Endoskopie, auch Spiegelung genannt, ist ein bildgebendes Verfahren mit dessen Hilfe verschiedene Körperhöhlen und Hohlorgane untersucht werden.

Suche