Histiozytäres Sarkom beim Hund
Das Histiozytäre Sarkom ist eine aggressive Krebsart beim Hund. Erfahren Sie hier alles über Symptome und Behandlung. Wir erklären, warum besonders Berner Sennenhunde und Flat Coated Retriever betroffen sind und worauf Sie achten müssen.
Früherkennung und Behandlung
Was ist ein histiozytäres Sarkom?
Das histiozytäre Sarkom (HS) ist eine seltene und sehr aggressive Krebsart. Es geht von Immunzellen (Makrophagen und dendritischen Zellen) aus. Diese Tumoren können prinzipiell alle Hunde entwickeln. Es gibt aber Rassen, die ein höheres Risiko haben zu erkranken.
Es gibt zwei Hauptformen.1-4
Lokale Form: einzelner Tumorherd, beispielsweise am Gelenk. Dies ist häufig beim Flat Coated Retriever der Fall. Der Tumorherd kann auch in der Lunge auftreten, insbesondere beim Miniatur Schnauzer, Rottweiler und Berner Sennenhund.
Disseminierte Form: Krebszellen sind im Körper verteilt (häufig beim Berner Sennenhund).
Risikorassen1,5-7
- Berner Sennenhund (bis zu 50 % der Todesfälle weltweit sind HS-bedingt)
- Flat Coated Retriever (ca. 46 % der Tiere sterben weltweit an HS)
- Schnauzer (seltener, zeigen die Lungenform)
Bei Berner Sennenhund und Flat Coated Retriever führt die Krankheit im Schnitt zu einer verminderten Lebenserwartung von zwei bis drei Jahren.7
Symptome frühzeitig erkennen
Disseminierte Form des histiozytären Sarkoms:
- Antriebslosigkeit, Appetitverlust
- Gewichtsabnahme
- Gelbsucht (Ikterus), Atemnot
- neurologische Ausfälle oder Durchfall
Lokale Form Gelenk, Haut und Muskeln
- Lahmheit (v. a. im Bereich der Gelenke)
- tastbare Knoten unter der Haut
Lokale Form der Lunge
- oft Zufallsbefund
- Husten
- Antriebslosigkeit, Appetitverlust
- Gewichtsabnahme
Für eine erfolgversprechende Behandlung ist eine frühe Diagnose entscheidend! Bei einem Anfangsverdacht auf ein histiozytäres Sarkom sollte sofort eine tierärztliche Abklärung erfolgen. Dies gilt insbesondere für Risikorassen wie Berner Sennenhunde, Flat Coated Retriever, Rottweiler und Zwergschnauzer. Wir empfehlen für diese Rassen zusätzlich eine regelmässige Vorsorgeuntersuchung ab einem Alter von sechs Jahren.
Wann tritt die Krankheit auf?
- Flat Coated Retriever: meist ab 8 Jahren
- Berner Sennenhunde: oft schon mit 6 Jahren
- Miniatur Schnauzer: 10 Jahre, aber erste Fälle schon bei Hunden mit 3 Jahren beschrieben.
Macht Krebsscreening Sinn?
Screening-Untersuchungen helfen, Krebs früh zu erkennen und damit besser zu behandeln. Wir empfehlen bei Risikorassen ein regelmässiges Screening alle sechs Monate. Für das histiozytäre Sarkom testen wir gerade im Rahmen einer neuen klinischen Studie spezielle Screening Blut-Tests.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Da das histiozytäre Sarkom schnell metastasiert, muss zur Einschätzung der ganze Hund untersucht werden.
- Blutuntersuchung
Ein Blutbild und die Blutchemie zeigen, ob der Krebs das Knochenmark befallen hat. Manchmal löst eine besondere Form des Sarkoms eine Blutarmut aus, auch Anämie genannt. - Feinnadelpunktion oder Biopsie
Mit einer dünnen Nadel entnimmt der Tierarzt eine Zellprobe oder ein kleines Stück Gewebe. So stellt er oft fest, ob es sich um Krebs handelt. Die Methode ist schnell, sicher und meistens schmerzfrei. Der Hund braucht dafür in der Regel keine Narkose.
Wichtig: Eine Gewebeprobe beschleunigt das Wachstum des Tumors nicht! Das ist ein weitverbreiteter Irrtum. - Computertomografie (CT)
Ein CT-Scan von Lunge, Bauch und der Tumorregion zeigt, wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat. Die Untersuchung macht auch vergrösserte Lymphknoten oder Tochtergeschwülste (Metastasen) sichtbar. - PET-CT (Positronen-Emissions-Tomografie)
Das PET-CT ist die modernste Untersuchungsmethode mit Bildern. Die Technik kombiniert eine Positronen-Emissions-Tomografie mit einem CT. Sie findet selbst kleinste Tochtergeschwülste (Metastasen) im ganzen Körper des Hundes.

PET-CT aktuell nur in Zürich möglich!
Derzeit ist ein PET-CT für Hunde im deutschsprachigen Raum ausschliesslich an der Universität Zürich möglich. Dies geschieht in Kooperation mit dem Paul Scherrer Institut, der ETH, dem USZ und dem Kantonsspital Baden. Es wird im Rahmen einer laufenden wissenschaftlichen Studie angeboten.
Wichtige Hinweise und Voraussetzungen zur Terminvergabe:
- Der Verdacht auf ein histiozytäres Sarkom muss bereits durch Feinnadelaspiration oder Biopsie bestätigt sein.
- Die Untersuchung findet immer mittwochabends statt.
- Eine Anmeldung ist bis zum Freitag vor dem Termin notwendig.
- Für Teilnehmer der Studie ist die PET-CT-Untersuchung mit CT kostenlos.
- Leider gibt es nur wenige Termine.
❯ Mehr über die Studie lesen und Termin für eine Teilnahme anfragen.
Keine Operation ohne Diagnose!
Ein Tumor sollte nie einfach entfernt werden, ohne vorher genau zu wissen, was es ist. Ohne vorherige Diagnose wird oft unvollständig oder falsch operiert – das kann verschlechtert die Prognose erheblich.
Merksatz für Hundebesitzer: Erst die Diagnose – dann die Behandlung!
Gibt es Heilung?
Leider nein, denn das histiozytäre Sarkom ist schwer zu behandeln. Wir heilen Hunde mit dieser Krankheit nur sehr selten. Je nach Form verlängern wir aber oft das Leben des Hundes – er behält dabei eine gute Lebensqualität. Je nach Form verlängern wir oft das Leben und der Hund behält dabei eine sehr gute Lebensqualität.1-4, 9-15
- Die disseminierte Form ist die schlimmste Art. Sie führt meist innerhalb von 4 bis 6 Monaten zum Tod.1-3,13
- Bei der lokalen Form verlängert eine gute Behandlung das Leben des Hundes um 12 bis 18 Monate. Manche Hunde leben länger, manche sterben trotz der Behandlung früher.3,15,16,17
Behandlungsmöglichkeiten
Chirurgie: Bei Hunden mit einem örtlichen Tumor empfehlen wir eine chirurgische Entfernung. Das ist die beste Behandlung, wenn der Tumor noch keine Ableger gebildet oder die nahen Lymphknoten befallen hat. Je nach Stelle des Tumors bedeutet das leider oft eine Amputation. Die Chirurgie ist jedoch die sicherste Methode, um den Tumor an dieser Stelle zu stoppen.
Manchmal ist eine Amputation notwendig, um einen Tumor zu entfernen. Die Regel ist: Je kleiner der Tumor bei der Diagnose ist, desto wahrscheinlicher bleibt das Bein erhalten.
Hunde haben aber auch nach einer Amputation eine sehr gute Lebensqualität. Schon fünf bis sechs Wochen nach der Operation sind die meisten wieder sehr mobil. Sie machen dann alles, was sie auch vor dem Eingriff gemacht haben.
Strahlentherapie: Manchmal ist eine Operation nicht möglich, wenn man Sorge hat, dass ein Hund nicht mit einer Amputation zurechtkommt oder bereits Metastasen bestehen. In solchen Fällen kann eine Strahlentherapie eine Alternative sein. In einer vergleichenden ersten Studie konnte für die Strahlentherapie eine ähnlich gute Kontrolle wie mit der Chirurgie erreicht werden. Wenn Sie mehr Informationen zur Strahlentherapie wollen, melden Sie sich bei der Klinik für Radio-Onkologie & Medizinische Onkologie.
Chemotherapie: Um die Tumorzellen im Blut zu schädigen, werden die lokalen Therapien (Operation oder Strahlentherapie) mit einer Chemotherapie kombiniert. Dies soll ein weiteres Fortschreiten verzögern.
PET-CT und Liquid Biopsie unterstützen uns dabei, individuelle Therapiepläne zu erstellen, die auf den Patienten zugeschnitten sind. Damit verbessern wir in Zukunft die Behandlungserfolge für betroffene Hunde.
Palliative Therapie: Auch in dieser schwierigen Zeit begleiten wir Sie. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass Ihr Hund noch eine möglichst lange und gute Zeit hat.
Zukunftsperspektiven und Studien am Tierspital.
Gemeinsam mit den Zuchtclubs (DRC, KBS, RCS) entwickeln wir neue Therapieoptionen für das histiozytäre Sarkom. Ziel ist es, diese Krankheit in Zukunft besser behandeln zu können.
- Wir untersuchen die genetische Struktur des Histiozytären Sarkoms bei Berner Sennenhunden und Flat-Coated Retrievern, um neue Behandlungsmethoden zu entwickeln.
- Das PET-CT hilft uns, die richtige Behandlung auszuwählen. ❯ Mehr über die Studie lesen.
- Wir arbeiten daran, in Zukunft personalisierte Therapien für das Histiozytäre Sarkom anbieten zu können.
Durch eine besondere Operationstechnik können Tumoren heute viel genauer entfernt werden. Dabei macht ein Leuchtstoff das kranke Gewebe sichtbar. ❯ Jetzt mehr über die klinische Studie erfahren.
Derzeit werden zielgerichtete Therapien entwickelt, die radioaktive Stoffe oder Immunzellen einsetzen. - In den USA wird aktuell eine Studie mit einem neuen Medikament, Trametinib, bei Hunden mit Histiozytärem Sarkom durchgeführt.
Mit einer Teilnahme an der Studie erhält Ihr Hund Zugang zu modernsten Behandlungsmöglichkeiten. Zugleich leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Krebstherapie bei Hunden und Menschen mit histiozytärem Sarkom.
Was Sie tun können!
- Planen Sie vorausschauend und gehen Sie mit Ihrem Hund zur Krebsvorsorge, besonders bei einem erhöhten Risiko.
- Achten Sie auf erste Anzeichen wie Lahmheit, Müdigkeit oder Gewichtsverlust.
- Holen Sie sich frühzeitig tierärztlichen Rat.
- Lassen Sie bei einem Verdacht eine genaue Untersuchung machen.
- Fragen Sie gezielt nach Spezialisten für Onkologie/Onkologische Chirurgie.
Früherkennung ist wichtig – wir unterstützen Sie.
Vermuten Sie bei Ihrem Hund ein histiozytäres Sarkom oder wollen Sie sich frühzeitig über Screening informieren?
Unser Team berät Sie gerne individuell.
- Erich SA, Dobson JM, Teske E: Comparison of the Clinical Characteristics of Histiocytic Sarcoma in Bernese Mountain Dogs and Flat-Coated Retrievers. Vet Sci 9, 2022.
- Doka RM, Suter SE, Mastromauro ML, et al: Doxorubicin for treatment of histiocytic sarcoma in dogs: 31 cases (2003-2017). J Am Vet Med Assoc 260:1827-1833, 2022.
- Mullin C, Clifford CA: Histiocytic Sarcoma and Hemangiosarcoma Update. Vet Clin North Am Small Anim Pract 49:855-879, 2019.
- Kennedy K, Thomas R, Breen M: Canine Histiocytic Malignancies-Challenges and Opportunities. Vet Sci 3, 2016.
- Meek K, Yang YT, Takada M, et al: Identification of a Hypomorphic FANCG Variant in Bernese Mountain Dogs. Genes (Basel) 13, 2022.
- Evans JM, Parker HG, Rutteman GR, et al: Multi-omics approach identifies germline regulatory variants associated with hematopoietic malignancies in retriever dog breeds. PLoS Genet 17:e1009543, 2021.
- Erich SA, Rutteman GR, Teske E: Causes of death and the impact of histiocytic sarcoma on the life expectancy of the Dutch population of Bernese mountain dogs and Flat-coated retrievers. Vet J 198:678-683, 2013.
- Murray CA, Willcox JL, De Mello Souza CH, et al: Outcome in dogs with curative-intent treatment of localized primary pulmonary histiocytic sarcoma. Vet Comp Oncol 20:458-464, 2022.
- Cannon C, Borgatti A, Henson M, et al: Evaluation of a combination chemotherapy protocol including lomustine and doxorubicin in canine histiocytic sarcoma. J Small Anim Pract 56:425-429, 2015.
- Kezer KA, Barber LG, Jennings SH: Efficacy of dacarbazine as a rescue agent for histiocytic sarcoma in dogs. Vet Comp Oncol 16:77-80, 2018.
- Mason SL, Finotello R, Blackwood L: Epirubicin in the treatment of canine histiocytic sarcoma: sequential, alternating and rescue chemotherapy. Vet Comp Oncol 16:E30-E37, 2018.
- Elliott J: Lomustine chemotherapy for the treatment of presumptive haemophagocytic histiocytic sarcoma in Flat-coated Retrievers. Aust Vet J 96:502-507, 2018.
- Tani H, Kurita S, Miyamoto R, et al: Nimustine Treatment of 11 Cases of Canine Histiocytic Sarcoma. J Am Anim Hosp Assoc 56:146, 2020.
- Marconato L, Sabattini S, Buchholz J, et al: Outcome comparison between radiation therapy and surgery as primary treatment for dogs with periarticular histiocytic sarcoma: An Italian Society of Veterinary Oncology study. Vet Comp Oncol 18:778-786, 2020.
- Hirabayashi M, Chambers JK, Kishimoto TE, et al: Establishment and characterisation of cell lines and xenograft mouse models of canine systemic histiocytosis and disseminated histiocytic sarcoma. Vet Comp Oncol 20:465-475, 2022.
- Boerkamp KM, van Steenbeek FG, Penning LC, et al: The two main forms of histiocytic sarcoma in the predisposed Flatcoated retriever dog display variation in gene expression. PLoS One 9:e98258, 2014.
- Moore AS, Taylor DP, Reppas G, et al: Chemotherapy for dogs with lymph node metastasis from histiocytic sarcomas. Aust Vet J 95:37-40, 2017.
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