Shamonda-like Virus beim Pferd
Das diesen Sommer bei Rindern zirkulierende Shamonda-like Virus ist erstmals bei vier verstorbenen Pferden nachgewiesen worden. Damit könnte eine Ursache für die vermehrt gemeldeten neurologischen Symptome identifiziert sein. Noch sind jedoch viele Fragen offen, besonders auch zu Therapie und Prävention. Auch der Nachweis des Virus am lebenden Tier ist noch nicht gelungen.
02.09.2026
Aus der ganzen Schweiz sind seit Ende Juli den beiden Pferdekliniken der Vetsuisse-Fakultät, dem Institut Suisse de Médecine Equine (ISME) der Universität Bern und der Pferdeklinik des Universitären Tierspitals Zürich, Pferde mit neurologischen Symptomen gemeldet worden. Die Suche nach der Ursache verlief länger ergebnislos, bekannte infektiöse Erreger konnten ausgeschlossen werden. Kürzlich hat das Institut für Virologie und Immunologie IVI in Kooperation mit der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern das in den letzten Wochen bereits bei Rindern auftretende Shamonda-like-Virus im Hirnmaterial von vier Pferden nachgewiesen.
Der Nachweis gelang dem IVI an Hirnproben vier verstorbener Tiere – drei aus Zürich und eines aus Bern. Dies, nachdem die Abteilung Neurologische Wissenschaften der Vetsuisse-Fakultät Erbgut des Virus gefunden hatte. Die Infektion eines Pferdes mit einem Orthobunyavirus der Simbu-Serogruppe, zu der dieses neue Virus gehört, wurde in Europa bis anhin noch nie beschrieben. Es wäre eine plausible Erklärung für die vermehrt aufgetretenen neurologischen Symptome, wobei aktuell noch nicht abschliessend belegt werden kann, dass das Virus tatsächlich deren Ursache ist.
Der Nachweis einer Infektion mit dem Shamonda-like Virus als Ursache von neurologischen Symptomen beim lebenden Pferd ist derzeit (noch) nicht möglich. In Blut und Liquor von erkrankten Pferden konnte bisher kein Virus nachgewiesen werden, was möglichweise auf eine sehr kurze Virämie zurückzuführen ist. Ein Antikörpernachweis im Blut ist zwar möglich, weist aber nur auf eine vorausgegangene Exposition gegenüber dem Virus hin. Dies erlaubt jedoch keinen Rückschluss auf einen kausalen Zusammenhang zwischen einer möglichen Shamondavirus-Infektion und den beobachteten neurologischen Symptomen. Der Antikörpertest kann am IVI (Shamonda-Virus in der Schweiz) gekoppelt mit einer Untersuchung auf West Nile Virus (WNV) angefordert werden. Das IVI arbeitet mit Hochdruck an weiterer Diagnostik. Neben dem Shamonda-like-Virus sollten aber immer auch andere bekannte infektiöse Differentialdiagnosen berücksichtigt werden, insbesondere das Equine Herpesvirus (EHV), das West-Nil-Virus (WNV) und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
Betroffene Pferde können zum jetzigen Zeitpunkt nur symptomatisch behandelt werden. Die Übertragung erfolgt nach heutigem Wissensstand durch Gnitzen, durch kleine blutsaugende Mücken. Ein konsequenter Mückenschutz senkt daher die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung.
Noch sind viele Fragen offen. In Zusammenarbeit mit dem IVI arbeitet die Vetsuisse-Fakultät institutsübergreifend an beiden Standorten intensiv daran, die Auswirkungen des Virus und die Krankheitsentstehung beim Pferd besser zu verstehen. So soll möglichst bald Klarheit herrschen, ob dieses Virus die Ursache der jüngst vermehrt auftretenden Symptome ist.
Rückfragen
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Pferdebesitzerinnen und -besitzer
Besitzerinnen und Besitzer von Pferden wenden sich bei Fragen an ihren Tierarzt oder ihre Tierärztin.
Tierärztinnen und Tierärzte
Tierärztinnen und Tierärzte melden sich bei einem Verdachtsfall vor einer allfälligen Überweisung bei der Pferdeklinik des Universitären Tierspitals Zürich (044 635 81 15) oder der ISME Pferdeklinik Bern (031 684 22 43). Verstorbene Tiere können am Institut für Tierpathologie der Universität Bern oder am Institut für Veterinärpathologie der Universität Zürich untersucht werden.
Blut-/Serum- und Liquor-Proben möglicherweise betroffener Pferde können zur Untersuchung direkt ans IVI geschickt werden (https://www.ivi.admin.ch/de/diagnostik-tierseuchen-pferde).
Bitte melden Sie entsprechende Fälle als «Fall ohne Diagnose» und unter Angabe der beobachteten Symptomatik sowie der bisher vorliegenden Testresultate bei Equinella.
Weiterführende Links
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): https://www.blv.admin.ch/de/shamonda-virus-in-der-schweiz
- Institut für Virologie und Immunologie (IVI): https://www.ivi.admin.ch/de/neues-orthobunyavirus-der-simbu-serogruppe-bei-rindern-entdeckt
- Equinella: https://www.equinella.ch/aktuell/
- Übersichtsartikel Bauernzeitung (01.09.2026): https://www.bauernzeitung.ch/artikel/tiere/shamonda-virus-in-der-schweiz-vier-tote-pferde-und-viele-offene-fragen
- Friedrich Loeffler Institut: https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/shamonda-virus/
Medienschaffende
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte entweder an die Medienstelle der Universität Bern oder an jene der Universität Zürich. Fachfragen zum Virus nimmt das Institut für Virologie und Immunologie IVI entgegen.
Symptomatik
Betroffene Pferde wirken zu Beginn häufig teilnahmslos und abgeschlagen. Im weiteren Verlauf können neurologische Ausfälle auftreten mit ausgeprägter Schläfrigkeit und Koordinationsstörungen, so dass sie unsicher gehen oder schwanken. Zusätzlich können Muskelzuckungen und eine übermässige Empfindlichkeit auf Berührung oder andere Reize auftreten. Zum Teil zeigen betroffene Pferde Gleichgewichtsstörungen mit einer schiefen Kopfhaltung, unwillkürlichen Augenbewegungen, Schielen und sehr unsicherem Gang. Bei einem Teil der Pferde scheint die Erkrankung mild zu verlaufen und sich wieder zu bessern. Andere Tiere entwickeln jedoch schwere neurologische Symptome, die eine Euthanasie erforderlich machen.