Shamonda-like Virus beim Pferd
Das diesen Sommer bei Rindern zirkulierende Shamonda-like Virus ist erstmals bei sechs verstorbenen Pferden nachgewiesen worden. Damit könnte eine Ursache für die vermehrt gemeldeten neurologischen Symptome identifiziert sein. Noch sind jedoch viele Fragen offen, besonders auch zu Therapie und Prävention. Auch der Nachweis des Virus am lebenden Tier ist noch nicht gelungen.
18.09.2026
Aus der ganzen Schweiz sind seit Ende Juli den beiden
Pferdekliniken der Vetsuisse-Fakultät, dem Institut Suisse de Médecine Equine
(ISME) der Universität Bern und der Pferdeklinik des Universitären Tierspitals
Zürich, Pferde mit neurologischen Symptomen gemeldet worden. Die Suche nach der
Ursache verlief länger ergebnislos, bekannte infektiöse Erreger konnten
ausgeschlossen werden. Kürzlich hat das Institut für Virologie und Immunologie
IVI in Kooperation mit der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern das in den
letzten Wochen bereits bei Rindern auftretende Shamonda-like-Virus im
Hirnmaterial von sechs Pferden nachgewiesen.
Der Nachweis gelang dem IVI an Hirnproben sechs verstorbener
Tiere – vier aus Zürich und zwei aus Bern. Dies, nachdem die Abteilung
Neurologische Wissenschaften der Vetsuisse-Fakultät Erbgut des Virus gefunden
hatte. Die Infektion von Pferden mit einem Orthobunyavirus der
Simbu-Serogruppe, zu der dieses neue Virus gehört, wurde in Europa bis anhin
noch nie beschrieben. Es wäre eine plausible Erklärung für die vermehrt
aufgetretenen neurologischen Symptome, wobei aktuell noch nicht abschliessend
belegt werden kann, dass das Virus tatsächlich deren Ursache ist.
Die ante-mortem-Diagnostik bleibt weiterhin herausfordernd.
Derzeit erscheint eine Kombination aus Antikörpernachweis und PCR-Untersuchung,
beides in Liquor, als vielversprechendster diagnostischer Ansatz. Eine
alleinige PCR-Untersuchung in Blut und/oder Liquor hat nur begrenzte
Aussagekraft, da sie aufgrund der scheinbar sehr kurzen virämischen Phase
meistens negativ ausfällt, selbst wenn Virus im Hirn nachweisbar ist. Ein
Antikörpernachweis im Blut ist zwar möglich, weist aber nur auf eine
vorausgegangene Exposition gegenüber dem Virus hin. Dies erlaubt jedoch keinen
Rückschluss auf einen kausalen Zusammenhang zwischen einer möglichen
Shamondavirus-Infektion und den beobachteten neurologischen Symptomen.
Antikörpertest und PCR können am IVI (Shamonda-Virus
in der Schweiz) gekoppelt mit einer Untersuchung auf West Nile Virus (WNV)
angefordert werden. Neben dem Shamonda-like-Virus sollten aber immer auch
andere bekannte infektiöse Differentialdiagnosen berücksichtigt werden,
insbesondere das Equine Herpesvirus (EHV), das West-Nil-Virus (WNV) und die
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
Betroffene Pferde können zum jetzigen Zeitpunkt nur
symptomatisch behandelt werden. Die Übertragung erfolgt nach heutigem
Wissensstand durch Gnitzen, durch kleine blutsaugende Mücken. Ein konsequenter
Mückenschutz senkt daher die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung.
Noch sind viele Fragen offen. In Zusammenarbeit mit dem IVI
arbeitet die Vetsuisse-Fakultät institutsübergreifend an beiden Standorten
intensiv daran, die Auswirkungen des Virus und die Krankheitsentstehung beim
Pferd besser zu verstehen. So soll möglichst bald Klarheit herrschen, ob dieses
Virus die Ursache der jüngst vermehrt auftretenden Symptome ist.
Rückfragen
Bitte beachten Sie: Der aktuelle Wissensstand ist auf dieser Website abgebildet. Zurzeit haben wir keine weitergehenden Informationen. Wenn es gesicherte Neuigkeiten gibt, werden wir die vorliegenden Informationen ergänzen.
Pferdebesitzerinnen und -besitzer
Besitzerinnen und Besitzer von Pferden wenden sich bei Fragen an ihren Tierarzt oder ihre Tierärztin.
Tierärztinnen und Tierärzte
Tierärztinnen und Tierärzte melden sich bei einem Verdachtsfall vor einer allfälligen Überweisung bei der Pferdeklinik des Universitären Tierspitals Zürich (044 635 81 15) oder der ISME Pferdeklinik Bern (031 684 22 43).
Wir beraten Sie auch gerne in Bezug auf Diagnostik oder Behandlung von Verdachtsfällen.
Verstorbene Tiere können am Institut für Tierpathologie der Universität Bern oder am Institut für Veterinärpathologie der Universität Zürich untersucht werden.
Blut-/Serum- und Liquor-Proben möglicherweise betroffener Pferde können zur Untersuchung direkt ans IVI geschickt werden (https://www.ivi.admin.ch/de/diagnostik-tierseuchen-pferde).
Bitte melden Sie entsprechende Fälle als «Fall ohne Diagnose» und unter Angabe der beobachteten Symptomatik sowie der bisher vorliegenden Testresultate bei Equinella.
Weiterführende Links
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): https://www.blv.admin.ch/de/shamonda-virus-in-der-schweiz
- Institut für Virologie und Immunologie (IVI): https://www.ivi.admin.ch/de/neues-orthobunyavirus-der-simbu-serogruppe-bei-rindern-entdeckt
- Equinella: https://www.equinella.ch/aktuell/
- Übersichtsartikel Bauernzeitung (01.09.2026): https://www.bauernzeitung.ch/artikel/tiere/shamonda-virus-in-der-schweiz-vier-tote-pferde-und-viele-offene-fragen
- Friedrich Loeffler Institut: https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/shamonda-virus/
Medienschaffende
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte entweder an die Medienstelle der Universität Bern oder an jene der Universität Zürich. Fachfragen zum Virus nimmt das Institut für Virologie und Immunologie IVI entgegen.
Symptomatik
Betroffene Pferde wirken zu Beginn häufig teilnahmslos und abgeschlagen. Im weiteren Verlauf können neurologische Ausfälle auftreten mit ausgeprägter Schläfrigkeit und Koordinationsstörungen, so dass sie unsicher gehen oder schwanken. Zusätzlich können Muskelzuckungen und eine übermässige Empfindlichkeit auf Berührung oder andere Reize auftreten. Zum Teil zeigen betroffene Pferde Gleichgewichtsstörungen mit einer schiefen Kopfhaltung, unwillkürlichen Augenbewegungen, Schielen und sehr unsicherem Gang. Bei einem Teil der Pferde scheint die Erkrankung mild zu verlaufen und sich wieder zu bessern. Andere Tiere entwickeln jedoch schwere neurologische Symptome, die eine Euthanasie erforderlich machen.