Bauchspiegelung (Laparoskopie) und Brustkorbspiegelung (Thorakoskopie)
Im letzten Jahrhundert hat sich die Medizin stark verändert – sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin. Statt grosser Operationen werden heute immer häufiger minimalinvasive Behandlungen eingesetzt. Diese sind für Menschen und Tiere weniger belastend und senken das Risiko von Komplikationen.
Minimalinvasive Chirurgie: Entwicklung und Bedeutung
Weil Chirurginnen und Chirurgen immer öfter minimal-invasive Verfahren nutzen, gibt es viele neue Geräte und Techniken. Leider entwickelten die meisten Hersteller diese Dinge für Erwachsene. Kinder und Tiere standen deshalb lange vor ähnlichen Problemen: Es gab nur wenige passende Techniken und kaum geeignete Materialien für sie. Kleine Patienten benötigen kleinere Geräte und angepasste Operationstechniken für ihre engen Körperräume.
In den letzten Jahren haben jedoch Humanchirurg:innen sowie Tierärzt:innen dazu beigetragen, die minimal invasive Chirurgie auch für Kinder und Tiere zu verbessern.
Die medizinische Behandlung entwickelt sich sehr schnell weiter. Wir sind stolz, daran mitarbeiten zu dürfen.
Was sind mögliche Indikationen für eine Bauchhöhlenspiegelung?
- Lebererkrankungen, Lebertumore
- Tumore der Nebenniere
- Erkrankungen der Nieren
- Kastration Hündin, Entfernung eines Eierstocktumors
- Kastration eines kryptorchiden Hundes oder Katers
- Bauchhöhlenexploration bei chronischer Abmagerung
- Entfernung von Lymphknoten im Bauchraum im Rahmen einer Krebserkrankung
- Prophylaktische Gastropexie (Prävention einer Magendrehung)
- Entfernung der Gallenblase
Was sind mögliche Indikationen für eine Brusthöhlenspiegelung?
- Lungentumore
- Herzbeutelerguss
- Chylothorax
- Entfernung von Lymphknoten im Bauchraum im Rahmen einer Krebserkrankung
Die Operationsvorbereitungen
Bei einer routinemässigen Laparoskopie müssen keine spezifischen Vorbereitungen getroffen werden. Das Tier muss, wie bei einer offenen Operation, nüchtern gebracht werden (acht Stunden kein Futter, bei brachyzephalen Rassen 12 Stunden, Wasser zur freien Verfügung).
Voruntersuchungen und Diagnostik
Manche Eingriffe erfordern Voruntersuchungen, zum Beispiel bei einem Lebertumor. Vor einer weiterführenden Behandlung führen wir Blutuntersuchungen und – falls nötig – bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT durch. Diese Untersuchungen können teilweise bereits durch die überweisende Tierärztin oder den überweisenden Tierarzt erfolgen. Alternativ führen wir sie am Tierspital durch.
Ablauf am Operationstag und Narkose
Am Tag der Operation bekommt Ihr Tier einen Katheter. Es erhält darüber Narkosemedikamente und Schmerzmittel. Ein Tierarzt oder ein/e speziell ausgebildete/r tiermedizinische/r Fachassistent/in der Abteilung für Anästhesie führt die Vollnarkose durch. Sie überwachen Ihr Tier während der Narkose optimal.
Nach der Operation informiert der Oberarzt/die Oberärztin oder der/die zuständige Assistenzarzt oder Assistenzärztin Sie telefonisch.
Die Operation (Laparoskopie)
In Vollnarkose wird der Patient für die Operation vorbereitet. Dies beinhaltet das Ausscheren, Reinigen und Desinfizieren des Operationsfeldes, abhängig vom geplanten Eingriff. Die Chirurg:innen legen sterile Tücher über das Tier.
Operationstechnik und Instrumentenplatzierung
Die Operationstechnik ist ähnlich wie eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie). Sie nutzen auch die Triangulationsmethode, bei der zuerst ein Portal für das Laparoskop (Stabkamera) und anschliessend unter Sichtkontrolle die Portale für die Instrumente platziert werden. Um den Bauchraum besser einsehen zu können, füllen die Tierärzt:innen ihn vorübergehend mit CO₂-Gas. So erhalten sie eine optimale Sicht für den Eingriff. Nach der OP lassen sie das Gas wieder ab und verschliessen den Bauch sorgfältig.
Aufwachen und stationäre Betreuung
Ihr Tier wacht anschliessend unter medizinischer Überwachung auf. Falls ein stationärer Aufenthalt nötig ist, erhält es eine eigene Box. Sie können Ihr Tier während der regulären Besuchszeiten besuchen.
Mögliche Risiken und Komplikationen
Wie jeder operative Eingriff kann auch eine Laparoskopie Komplikationen verursachen. Diese treten jedoch selten auf. Mögliche Risiken sind Wundheilungsstörungen oder leichte Entzündungen des Bauchfells. Insgesamt gilt die Laparoskopie als sicherer, minimalinvasiver Eingriff.
Nachsorge nach der Operation
Eine sorgfältige Nachsorge ist wichtig für eine gute Heilung und ein optimales Ergebnis. Wir erklären Ihnen, worauf Sie zu Hause bei Ihrem Tier achten müssen und welche Aktivitäten erlaubt oder nicht erlaubt sind. Zusätzlich erhalten Sie einen schriftlichen Bericht mit genauen Anweisungen. Die Nachsorge kann bei Bedarf durch Ihre überweisende Tierärztin oder Ihren überweisenden Tierarzt erfolgen.
Heilungsdauer und Aktivität nach dem Eingriff
Einige Operationen können ambulant durchgeführt werden. In diesen Fällen kann Ihr Tier noch am selben Tag nach Hause gehen. Andere Eingriffe erfordern einen Spitalaufenthalt, meist für ein bis drei Tage. Danach gilt für die Patienten in der Regel für etwa 10 Tage Leinenpflicht, bis die Fäden entfernt werden. Während dieser Zeit sollte die Bewegung eingeschränkt sein, damit die Wunden gut heilen. Anschliessend kann Ihr Tier wieder normal belastet werden.