Tumorerkrankungen des Blutes bei Hunden und Katzen: dank moderner Methoden (Durchflusszytometrie) schnell zur Diagnose.

Egal ob jung oder alt: Bei den Tumorerkrankungen von Hund und Katze kommen diejenigen des blutbildenden Systems, wie Lymphom oder Leukämie, häufig vor. Für die Festlegung der Therapie und Einschätzung der Prognose bedarf es einer abgesicherten Diagnose. Die Durchflusszytometrie glänzt hierbei als eine vielfältige, schnelle und für das Tier wenig belastende diagnostische Methode.

Bereits seit einigen Jahren bietet das Veterinärmedizinische Labor der Vetsuisse Fakultät Zürich, als einziges Labor der Schweiz, die Charakterisierung von hämatologischen Tumorerkrankungen bei Hunden und Katzen mittels Durchflusszytometrie an. Hierfür werden unterschiedliche Strukturen (Antigene) auf der Oberfläche oder im Inneren («cluster of differentiation» CD) von Zellen mit Antikörpern markiert. Die Untersuchung findet Anwendung bei der Diagnose und Einteilung von Tumorerkrankungen des Blutes (Lymphomen und Leukämien) und dem Abschätzen des Schweregrades (Staging). Zusätzlich kann unterschieden werden, ob es sich wirklich um einen Tumor oder nur um eine extreme Abwehrreaktion des Immunsystems auf bestimmte Reize und eine dadurch verursachte Erhöhung der Anzahl der Lymphozyten im Blut (reaktive Lymphozytose) handelt. Zudem eignet sich die Untersuchung zur Abklärung von Umfangsvermehrungen im Brustbereich (Unterscheidung von Thymom und Lymphom) sowie zur Beurteilung des Immunstatus von Katzen, welche mit einem Katzenretrovirus (felines Immunschwächevirus, FIV) infiziert sind. Wir bieten für all diese Fragestellungen spezifisch zusammengestellte durchflusszytometrische Untersuchungsprofile an.

 Durchführung der durchflusszytometrischen Analyse durch eine Mitarbeiterin
Durchführung der durchflusszytometrischen Analyse durch eine Mitarbeiterin
Abb. 1: Durchführung der durchflusszytometrischen Analyse durch eine Mitarbeiterin des Veterinärmedizinischen Labors, Vetsuisse Fakultät Zürich.

Die Untersuchung kann aus Blut, Knochenmark, Proben (Feinnadelaspiraten) von Organen oder Umfangsvermehrungen, sowie Körperhöhlenflüssigkeiten durchgeführt werden. Die Analyse und Beurteilung erfolgt durch Fachtierärztinnen (Dipl ECVCP) und dauert in der Regel nur 48 Stunden.

Bis zur Beurteilung bedarf die durchflusszytometrische Untersuchung jedoch einiger analytischer Schritte: Nach dem Eintreffen der Proben werden diese zuerst auf den Zellgehalt überprüft und eine hämatologische und/oder zytologische Beurteilung durchgeführt. Danach werden in mehreren Färbe- und Inkubationsschritten der Probe verschiedene fluoreszenzmarkierte Antikörper beigefügt und somit Antigene der einzelnen Zelllinien gekennzeichnet. Im Durchflusszytometer (siehe Abbildung 1) werden die Zellen einzeln an Lasern unterschiedlicher Wellenlängen und Detektoren vorbeigeführt und können aufgrund ihrer Eigenschaften (Grösse, Komplexität, Fluoreszenz) dargestellt und unterschieden werden. Die Resultate der Durchflusszytometrie werden jedoch nie alleine betrachtet, sondern immer im Zusammenhang mit anderen Laboruntersuchungen (Blutbild und mikroskopischer Untersuchung der Zellen), sowie unter Berücksichtigung von Vorbericht, Klinik und weiterführenden Befunden, wie Ultraschall oder Röntgenberichten interpretiert.

Der Fall von Hündin Rosa zeigt eindrücklich, wie diese durchflusszytometrische Methode in der Praxis hilfreich eingesetzt werden kann:

Bei Rosa, einer 15-jährigen Mischlingshündin, wurde beim Privattierarzt eine hochgradige Erhöhung der weissen Blutkörperchen (59’000/µl; normal 4’700-11’300) mit einer hochgradigen Erhöhung der Lymphozyten (53’000/µl; normal 1’150-3’400) festgestellt. Ebenso fiel eine geringgradige nicht regenerative Blutarmut auf (Hämatokrit: 32 %; normal. 42-55 %). Zum Zeitpunkt der Vorstellung zeigte Rosa nur leichtgradige und eher unspezifische Symptome wie verminderten Appetit und Bewegungsunlust.

 

Basierend auf dem Erscheinungsbild der Zellen sind mögliche Ursachen für die starke Vermehrung der Lymphozyten bei Rosa zwei verschiedene Tumorformen: eine chronische Leukämie (chronische lymphozytäre Leukämie, CLL) oder ein kleinzelliges Lymphom, bei welchem die Zellen aus dem Tumor ins Blut ausgeschwemmt werden (Stage V). Alternativ käme auch eine Reaktion auf eine Infektion mit dem Bakterium Ehrlichia canis in Frage; dies erschien aber aufgrund der sehr starken Erhöhung der Anzahl der Lymphozyten im Blut weniger wahrscheinlich.

In der durchflusszytometrischen Untersuchung konnte die überwiegende Zahl der Lymphozyten im Blut als sogenannte zytotoxische T-Zellen eingeordnet werden (Abb.3) , d.h. es handelt sich um eine übermässige Vermehrung einer ganz bestimmten Lymphozytenpopulation, welche normalerweise im Rahmen der Immunabwehr erkrankte Zellen erkennen und eliminieren. Im Blut von Rosa kamen nur noch wenige nicht tumorös entartete Lymphozyten vor. Das Resultat der durchflusszytometrischen Untersuchung zusammen mit der Blutbildbeurteilung, der Vorgeschichte und dem klinischen Bild von Rosa, führten zur Diagnose: Rosa leidet an einer chronischen lymphozytären Leukämie zytotoxischer T-Zellen. Diese Form der Leukämie ist unter den Tieren mit Tumoren häufig. Sie muss im Gegensatz zu anderen Leukämien oder Lymphomen nur in seltenen Fällen therapiert werden, da sie nur sehr langsam fortschreitet. Sie hat damit eine vergleichsweise gute Prognose und Tiere mit dieser Diagnose leben damit durchschnittlich weitere drei Jahre.

 

Streudiagramm
Streudiagramm
Abb. 3 Die zwei Diagramme (Streudiagramme der durchflusszytometrischen Untersuchung) zeigen, dass der Grossteil der weissen Blutzellen die Antigene (CD5, linkes Bild; CD8 rechtes Bild) tragen. Die Spezialistinnen erkennen daran den hauptsächlich vorliegenden Zelltyp: in diesem Fall sogenannte zytotoxische T-Zellen. Nur wenige Zellen zeigen die Charakteristika von B-Lymphozyten (CD21 positiv; linkes Bild) oder sind T-Helferzellen (CD4 positiv; rechtes Bild).

Das Team des Veterinärmedizinischen Labors mit unseren Spezialistinnen der klinischen Pathologie, Dr. Marilisa Novacco, Dr. Martina Stirn und Dr. Barbara Riond sind froh, mit dieser schnellen und für das Tier wenig belastenden Methode einen wichtigen Beitrag zur Tumordiagnostik bei betroffenen Hunden und Katzen in der ganzen Schweiz leisten zu können.

Weitere Informationen zu unserem Angebot finden Sie auf unserer Homepage: www.vetlabor.ch. Gerne kann sich Ihr Privattierarzt/Privattierärztin bei Fragen auch direkt ans uns wenden, unter 044 635 83 40 bzw. info@vetlabor.ch.

Das Laborteam
Das Laborteam
Das Team der klinischen Pathologie des Veterinärmedizinischen Labors der Vetsuisse Fakultät Zürich. (von links nach rechts: Sandra Lapsina, Residentin ECVCP; Dr. Marilisa Novacco, DiplECVCP; Dr. Barbara Riond, FVH; Dr. Martina Stirn, DiplECVCP; Julia Klaus, Residentin ECVCP)

med. vet. Julia Klaus, Dr. med. vet. Martina Stirn, Dr. med. vet. Marilisa Novacco

2021