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Die (intensive) Fohlensaison neigt sich dem Ende zu

Die (intensive) Fohlensaison neigt sich dem Ende zu

Die Klinik für Pferdemedizin des Universitären Tierspitals Zürich bietet intensivmedizinische Therapie für Fohlen an. Im Frühling und Frühsommer ist Fohlenzeit – dies bedeutet viel Arbeit, viel Freude, aber gelegentlich auch Rückschläge mit medizinischen und emotionalen Herausforderungen für alle Beteiligten.
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Die Klinik für Pferdemedizin bietet auch die (intensiv-)medizinische Betreuung von Fohlen an. Wenn ab Februar die Fohlen das Licht der Welt erblicken, beginnt für Besitzer und Tierärzte eine interessante, aber auch anstrengende und manchmal emotionale Zeit. In der Fohlenbetreuung steckt viel Fachwissen und Arbeit, denn die Betreuung schwer kranker Fohlen erfolgt oft im Stundentakt und erfordert ständig neue Entscheidungen.

Zum Ende der diesjährigen Fohlensaison möchten wir zwei erfolgreich behandelte Fälle vorstellen:

Ein 1 Tag altes Eselstutfohlen namens EVITA wurde uns aufgrund von Lebensschwäche und verminderter Sauglust vorgestellt. Bei der Eintrittsuntersuchung wurden Hypothermie, Dehydratation, Hypoglykämie und ein kompletter Mangel an Immunglobulinen festgestellt. Der Nabel war palpatorisch und sonographisch unauffällig. Im Darm fand sich noch Mekonium, das nicht abgegangen war. EVITA erhielt daraufhin einen Jugularvenenkatheter zur Gabe von Antibiotika, Infusionen und Plasmatransfusionen, eine Ernährungssonde zur Verabreichung von Milch und ein Klistier zur Förderung des Mekoniumabgangs.
Glücklicherweise sprach sie gut auf die Therapie an, wurde schnell kräftiger und begann, selbstständig zu saugen. Der Immunglobulinmangel konnte durch mehrere Plasmatransfusionen behoben werden. Dabei konnten wir auf unsere Plasmabank zurückgreifen, in der wir auch eselspezifische Plasmakonserven an Lager haben. Die intensivmedizinische Betreuung wurde nach einigen Tagen sukzessive reduziert und EVITA konnte nach 3 Tagen nach Hause entlassen werden.

Evita gesund und munter zuhause


Der zweite hier vorgestellte Fall war etwas komplizierter und von einigen Rückschlägen gekennzeichnet. Das einen Tag alte Hengstfohlen Amadeus war als Schwergeburt mit Auszughilfe zur Welt gekommen. Wegen verzögerter Kolostrumaufnahme und zunehmender Schwäche im Laufe des Tages wurde es schließlich festliegend in der Klinik vorgestellt. Die Erstuntersuchung ergab Hinweise auf eine Sepsis, einen kompletten Immunglobulinmangel und eine Lebensschwäche. Das Fohlen wurde daraufhin mit Infusionen, Antibiotika, Entzündungshemmern und Plasmatransfusionen behandelt und regelmässig über die Ernährungssonde gefüttert. Innerhalb der ersten 24 Stunden stellte sich eine Besserung ein und Amadeus konnte zunehmend selbständig aufstehen und aus einem Becken trinken.

Erster Kontakt zwischen Ammenstute und Amadeus…

Seine Mutter musste jedoch am dritten Tag wegen eines Bauchwandbruchs euthanasiert werden. Am Morgen des vierten Tages zeigte Amadeus eine Phase mit Atemnot und verminderter Sauglust. Eine ultrasonographische Untersuchung des Thorax und die Analyse einer arteriellen Blutentnahme ergaben multiple Rippenfrakturen mit Hämothorax und arterieller Hypoxämie. Ein herber Rückschlag nach dem zunächst positiven Verlauf. Amadeus erhielt in der Folge eine kontinuierliche Sauerstofftherapie, Schmerzmittel und strikte Boxenruhe. Er stabilisierte sich zunehmend. Nun galt es, eine Ammenstute für ihn zu finden. Gesagt, getan. Für die Zusammenführung von Fohlen und Ammenstute griffen wir auf eine bewährte hormonelle Methode zurück: Wir verabreichten der Stute Prostaglandine, um ihr mütterliches Verhalten zu stimulieren. Mit Erfolg: Nach der Verabreichung des Präparats akzeptierte die Stute das Hengstfohlen ohne Probleme. Die Stute erhielt zusätzlich ein Medikament zur Förderung der Milchproduktion, und Amadeus wurde weiterhin mit Ersatzmilch gefüttert. Diese Herausforderung schien damit gelöst. An eine Entlassung aus der Klinik war aber noch nicht zu denken. Einige Tage später wurde eine eitrige Absonderung im Nabelbereich des Fohlens festgestellt. Ein weiterer Rückschlag, da der Nabel bis dahin unauffällig schien. Die ultrasonographische Untersuchung zeigte Gaseinschlüsse, die bis zum Blasenpol reichten – der Nabel war infiziert und stellte somit ein Risiko für weitere Komplikationen dar. Deshalb wurde eine chirurgische Nabelresektion durchgeführt. Von dieser Operation erholte sich der Hengst gut. Die antibiotische und entzündungshemmende Therapie wurde noch einige Tage fortgesetzt. Endlich rückte eine mögliche Entlassung von Ammenstute und Amadeus näher. Nach 14 anstrengenden und emotionalen Tagen mit vielen Fortschritten und Rückschlägen wurden die beiden endlich aus der Klinik entlassen.

…und die beiden gemeinsam zuhause auf der Weide

Beide Fohlen geniessen nun das sommerliche Wetter zusammen mit ihrer Mutter bzw. Ersatzmutter. Solche Erfolge und Geschichten sind der Lohn für viele Stunden harter Arbeit und wenig Schlaf. Die Fohlensaison 2023 geht langsam zu Ende – aber die nächste kommt bestimmt. Wir freuen uns schon darauf und hoffen natürlich, dass wir möglichst wenige kranke Fohlen in der Klinik behandeln müssen, sondern viele gesunde Fohlen draußen auf der Weide sehen können.

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