EHV Infektion

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Eine Equine Herpesvirus Infektion ist eine sehr häufig vorkommende virale Infektionserkrankung. Es kann zu Ausbrüchen in  Ställen/Herden kommen da die Herpesvirusinfektion sehr ansteckend ist. 80% der Pferde infizieren sich früh im Leben. Die Infektion bleibt lebenslang latent bestehen und kann in Stresssituation reaktiviert werden und erneut zu Symptomen führen. Weitere nützliche Informationen finden Sie hier Equinella Merkblätter

Bei uns stehen Spezialisten zur Verfügung, die mit Hilfe von modernsten Untersuchungsmethoden die Ursache der Symptome bei Ihrem Pferd diagnostizieren, den Schweregrad und die Prognose der Erkrankung beurteilen und Ihnen die Therapiemöglichkeiten aufzeigen, sollte Ihr Pferd an einer Herpesvirusinfektion erkrankt sein.

Pferd mit EHV-Infektion mit neurologischer Verlaufsform im Netz stabilisiert

 

EHV-1/4 Infektion - Was musss ich wissen

Was ist der Auslöser der Herpesvirus Infektion (EHV-1/4)?

Es gibt verschiedene Arten von Pferdeherpesviren. Die hier beschriebene Erkrankung wird durch EHV-1 und EHV-4, sogenannte Alpha-Herpesviren, ausgelöst. Wenn Sie sich für Gamma-Herpesviren (EHV-2 und EHV-5) interessieren finden Sie hier mehr Informationen. EHV-1 und EHV-4 kommen weltweit vor und Pferde infizieren sich meist im Fohlenalter. Eine Herpesvirusinfektion bleibt beim Pferd lebenslang latent bestehen. Latenz bedeutet, dass das Virus nur in bestimmten Organen nachweisbar ist, das Pferd aber keine Symptome zeigt und das Virus auch nicht ausscheidet. In Stresssituationen kann es zu einer Reaktivierung der latenten Infektion, klinischen Symptomen und/oder Ausscheidung von Virus kommen. Das Virus wird über die Schleimhäute der oberen Atemwege von kranken aber machmal auch von symptomlosen Pferden ausgeschieden und durch direkten Kontakt oder durch Vektoren (z.B. Tränke, Hände, Besen, Striegel etc.) auf andere Pferde übertragen.

 

 

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EHV-1 vs EHV-4

Beide Equinen Herpesviren kommen sowohl weltweit als auch bei uns in der Schweiz vor. EHV-1 kann neben der Infektion der oberen Atemwege auch zu der gefürchteten neurologischen Form führen, während EHV-4 zumeist nur zu der Infektion der oberen Atemwege führt. Beide Viren können Abort auslösen. EHV-4 zirkuliert in der Schweizer Pferdepopulation und ist häufiger nachweisbar als EHV-1.

EHV bedingte Gefässentzündung die zu Blutungen  im Rückenmark führt (Querschnitt)

 

 

 

 

Typische Symptome bei einer EHV Infektion

Seriöser NA

Typische Symptome einer EHV-1/4 Infektion - Respiratorische Form

Bei der respiratorischen Form handelt es sich um eine Infektion der oberen Atemwege. Typische Symptome sind Fieber, Mattigkeit, Fressunlust und leichtgradiger durchsichtiger Nasenausfluss. Selten kommt es zu Husten. Diese Form ist selbstlimitierend und bedarf meist keiner Behandlung.

Seröser (durchsichtiger) Nasenausfluss

 

 

 

 

 

 

Urolith

Typische Symptome einer EHV-1/4 Infektion – Abort

Es kommt zu einem Spätabort im letzten Drittel der Trächtigkeit. Dies kann seuchenhaft in Zuchställen auftreten. Betroffene Stuten können, aber müssen zuvor keine Symptome gezeigt haben. Eine Behandlung ist meist nicht notwendig und die Infektion hat keine negativen Auwirkungen auf weitere Trächtigkeiten. Selten kommt es anstatt des Aborts  zur Geburt lebensschwacher Fohlen, eine Therapie ist nicht möglich und diese Fohlen sterben 1-2 Tage nach der Geburt

 

 

 

Harnstein

Typische Symptome einer EHV-1/4 Infektion – Neurologische Form

Bei der neurologischen Form zeigen die Pferde Fieber und einen schwankenden Gang (Ataxie). Dies ist vor allem an der Hinterhand zu beobachten. Bei schwerem Verlauf werden die Pferde zunehmend unkoordiniert, immer schwächer und es kann zum Festliegen kommen. Harn- und Kotabsatzschwierigkeiten und andere Ausfälle des Nervensystems können hinzukommen. Die neurologische Form der Herpesvirusinfektion kann tödlich verlaufen und erkrankte Pferde benötigen meistens eine intensive Therapie. Ausbrüche in Ställen/Herden mit mehreren betroffenen Pferden sind häufig.

Kotabsatzschwierigkeiten aufgrund einer EHV-Inefktion

 

 

Wie wird eine Herpesvirusinfektion diagnostiziert?

Bei Verdacht auf eine Herpesvirusinfektion sollte das Pferd sofort isoliert und ein Tierarzt hinzugezogen werden. Je nach Verlaufsform können verschiedene Proben entnommen werden (z.B. Nasentupfer, Gebärmuttertupfer).  Die Untersuchung der Proben erfolgt mittels PCR. Eine Untersuchung auf Antikörper im Blut ist nicht hilfreich, da viele Pferde Antikörper haben ohne erkrankt zu sein. Vor allem bei der neurologischen Verlaufsform sind noch weitere Untersuchungen notwendig. Wir werden das beste Vorgehen bei Ihrem Pferd mit Ihnen absprechen. Da die Erkrankung ansteckend ist, müssen Pferde isoliert in unserer Quarantänestation untersucht und behandelt werden. 

 

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Wer untersucht und behandelt mein Pferd?

Ihr Pferd wird von einer Tierärztin oder einem Tierarzt mit Spezialgebiet Pferdemedizin untersucht und sämtliche Untersuchungen und Behandlungen werden mit der zuständigen Oberärztin besprochen. Für Spezialuntersuchungen werden bei Bedarf weitere Spezialisten anderer Fachgebiete beigezogen. Studierende der Veterinärmedizin stehen im Rahmen ihrer Klinikrotationen den Tierärztinnen und Tierärzten unterstützend zur Seite, sind jedoch nie alleine für Ihr Pferd verantwortlich. Unser Team aus Oberärztinnen besteht aus ausgewiesenen Spezialistinnen mit der höchsten Qualifikationsstufe in der Veterinärmedizin, dem Diplom des ECEIM (European College of Equine Internal Medicine) und/oder des ACVIM (American College of Veterinary Internal Medicine).

Die Oberärzte der Klinik für Pferdemedizin von l. nach r.  Dr. med.vet Meret Wehrli Eser Dipl ECEIM, Prof. Dr.med.vet. PhD Colin Schwarzwald Dipl. ECEIM, Dipl. ACVIM (Klinikdirektor), Dr. med.vet Hannah Junge Dipl ECEIM PD Dr.med.vet. PhD Angelika Schoster Dipl ECEIM, Dipl ACVIM

 

Wie wird eine EHV-Infektion behandelt?

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Behandlung von EHV-1/4 Infektionen

Die Behandlung hängt stark von der Verlaufsform ab. Basierend auf den Befunden erstellen wir in Absprache mit Ihnen einen individuellen Behandlungsplan für Ihr Pferd.

Manchmal ist eine stationäre Behandlung in der Klinik notwendig. Bei der respiratorischen Verlaufsform ist eine Therapie meistens nicht notwendig und die Erkrankung heilt nach einigen Tagen von selber ab. Bei Abort ist eine Therapie meistens nicht notwendig. Die Gebärmutter sollte durch einen Tierarzt kontrolliert und allenfalls gespült werden. Bei der neurologischen Form bedarf es je nach Schweregrad der Erkrakung oft einer intensiven Therapie. Betroffene Pferde müssen eventuell mittels eines Netzes und einem Kran stabilisiert werden. Da sich das Nervensystem nicht immer vollständig erholt, sind bei der neurologischen Form Spätfolgen wie z.B. eine andauernde Blasenlähmung möglich.

Betroffene Pferde müssen zudem einige Tage (bis Wochen) je nach Dauer der Ausscheidung des Virus isoliert von anderen Pferden gehalten werden, um die Ansteckung einzudämmen.

Schieben eines Harnkatheters bei einer Stute

 

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Wird Ihr Pferd aus der Klink entlassen, können Sie die notwendigen Medikamente direkt von uns oder je nach Absprache, bei Ihrem Privattierarzt oder Ihrer Privattierärztin beziehen.

Sie bekommen einen detaillierten Bericht, in dem nochmals alle Befunde zusammengefasst sind, die Behandlung aufgeführt ist, sowie wichtige Informationen zur Erkrankung und Nachsorge aufgeführt sind.

Wir informieren auch Ihren Privattierarzt oder Ihre Privattierärztin, damit Nachkontrollen wenn möglich zu Hause durchgeführt werden

Prognose

Die respiratorische Form heilt meist komplikationslos ab.

Stuten die abortiert haben können im Folgejahr ohne Probleme wieder trächtig werden und abortieren meistens im Folgejahr nicht. Zu einem späteren Zeitpunkt ist ein erneuter EHV-Abort wieder möglich. 

Die neurologische Form kann tödlich veralufen oder zu Spätfolgen führen, da sich das Nervensystem nicht immer vollständig erholt. Zum Beispiel kann es zu einer andauernden Blasenlähmung kommen.

 

 

Vorbeugung von EHV-1/4 Infektionen

Eine Impfung ist verfügbar, schützt jedoch nicht vollständig vor einer Infektion und den dazugehörigen Symptomen. Die Impfung führt aber zu einer reuzierten Ausscheidung von Virus und einer milderen Symptomatik.  Wir empfehlen daher  alle Pferde regelmässig zu impfen, um den Impfschutz in der Pferdepopulation hoch zu halten.

Trächtige Stuten sollten wenn möglich getrennt von anderen Pferdegruppen (v.a. Jungpferden) gehalten werden, um die Stuten vor einer Infektion zu schützen. Jungpferde und Pferde die regelmässig an Turnieren teilnehmen sollten ebenfalls getrennt von anderen Pferden aufgestallt sein wenn dies von den örtlichen Gegebenheiten her möglich ist. 

Pferde mit Fieber sollten umgehend isoliert werden und ein Tierarzt sollte hinzugezogen werden.

 

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